Korrektes Tuning für den vernünftigen Gesamtklang

Harfe stimmen: Bloß nicht verwirren lassen

Foto: Shutterstock von Simon Kletinitch

Um harmonisch und wohlklingend spielen zu können, musst du die Harfe stimmen. Angenehme Nachricht: Einmal gestimmt, wird sie das Grund-Tuning meistens über lange Zeit halten können. Eine Anforderung gerade am Anfang, sei es beim Neukauf oder der frischen Besaitung, ist allerdings, dass es Wochen bis Monate dauern kann, bis die Harfe diese Stimmung hält. Wir zeigen dir, wie das Stimmen funktioniert:

Check it: Die Harfe stimmen ist kein Hexenwerk

  • Die Ausstattung für das Stimmen der Harfe
  • Vom Stimmgerät nicht in die Irre führen lassen
  • Tonarten und Tonbezeichnungen
  • Stimmen der unterschiedlichen Bauformen
  • Kleine Tricks, wenn die Stimmwirbel nicht halten wollen

Harfe stimmen – Grundanforderung für das harmonische Spiel

Bevor du mit der Harfe loslegen kannst, muss das Instrument zunächst gestimmt werden. Gerade bei neuen oder neu besaiteten Instrumenten, kann es mehrere Tage bis Wochen dauern, bis die Saiten die Stimmung halten, wenn du die Harfe stimmen willst. Problematik ist ganz einfach die Vielzahl der Saiten, außerdem die relativ rudimentäre Mechanik. Dass Saiten nach dem Stimmen erstmal wieder in einem gewissen Spielraum nachgeben, ist anfangs vollkommen normal.

Viele Saiten bedeuten automatisch eine hohe Zugkraft
Viele Saiten bedeuten automatisch eine hohe Zugkraft Foto: Shutterstock von Victoria1988

Stell dir vor, du hast nicht lediglich sechs Saiten wie bei einer Gitarre, sondern bei einer Hakenharfe durchschnittlich 40 Saiten oder bei einer Konzertharfe etwa 47 Saiten. Die ziehen und zerren natürlich am gesamten Korpus und müssen die jeweilige Spannung erst einmal ausgleichen. Also hab etwas Geduld und stimme mehrmals nach. Auf der positiven Kehrseite der Medaille steht, dass eine Harfe die Stimmung anschließend ziemlich lange halten kann.

Auch die „kleineren Kameraden“ stehen unter Zug
Auch die „kleineren Kameraden“ stehen unter Zug Foto: Shutterstock von Peter Voronov

Notwendigkeit und Tücken des Stimmgerätes

Für das Stimmen der Harfe nutzt du vernünftigerweise ein digitales – chromatisches – Stimmgerät. Wichtig dabei ist es, dass das Stimmgerät über ein integriertes Mikrofon verfügt.  Auf dem Tuner wird optisch – und manchmal auch mit Signaltönen – angezeigt, wie ob der Ton zu hoch oder zu niedrig ist. Als weitere zeitgemäße Lösung kannst du auch eine Tuning-App auf deinem Smartphone nutzen. In den App-Stores werden dafür diverse Varianten angeboten.

Gut funktionierendes Stimmgerät besonders für Orchestermusiker
Gut funktionierendes Stimmgerät besonders für Orchestermusiker Foto: Thomann

Ein gut funktionierendes Stimmgerät kommt mit dem CA-50 Chromatic Tuner von Korg. Der Tuner ist aufgrund der integrierten Kalibrierfunktion besonders gut für Orchestermusiker geeignet und arbeitet dabei sehr exakt. Du findest ihn unter dieser Produktseite auf thomann.de.

Ideal: Kontaktmikrofon für nicht abgelenkte Ergebnisse

Durch ein Kontaktmikrofon, also ein Mikro, das du auf der Harfe festklemmen kannst, erleichterst du dir das Stimmen ungemein. Möglicherweise nicht im stillen Zuhause. Unbedingt aber, wenn du mit anderen Instrumenten gemeinsam musizieren möchtest, beispielsweise im Streich- oder Harfenorchester. Durch das Kontaktmikrofon wird das Stimmgerät nicht vom Lärm der anderen Instrumente abgelenkt. Der eigentliche Stimmvorgang wird präziser, zuverlässiger und schneller. Harfe stimmen ohne Nebenkriegsschauplätze.

Der Stimmschlüssel muss genau auf die Wirbel passen
Der Stimmschlüssel muss genau auf die Wirbel passen Foto: Thomann

Beim Stimmschlüssel auf die exakt passende Größe achten

Zu deiner Grundausstattung gehört der zur Harfe – exakt zum Modell (!) – passenden Stimmschlüssel. Der muss gut auf den Wirbeln sitzen. Bitte keine „so ungefähr“ passenden Stimmschlüssel nutzen. Zu leicht könntest du die Wirbel beschädigen, was erstens unschön ist, außerdem ein vernünftiges Stimmen unmöglich macht und kostspielige Reparaturen nach sich zieht.

Wissen musst du natürlich, mit welchen Tönen die Harfe gestimmt wird. Exakt an diesem Punkt gibt es einen bedeutenden Unterschied der Bauarten, nämlich unterschiedliche Stimmungen. Achtung festhalten, nun wird’s ein bisschen kompliziert: Denn einher geht damit die Tatsache, dass auch handelsüblich perfekte Stimmgeräte für ein- und denselben Ton deines Tunings abweichende Bezeichnungen haben.

Dem Stimmgerät nicht auf den Leim gehen

Ohne dir den Spaß beim Einstieg mit allzu ausführlicher Musiktheorie vergraulen zu wollen, müssen wir hier ein klein wenig tiefer einsteigen. Beginnen wir mit der Hakenharfe. Willst du die Harfe stimmen, befinden sich die Haken unten. Gestimmt wird das Instrument in Eb-Dur. Die Töne dafür sind Eb | F | G | Ab | B | C | D | und wieder Eb. Übliche Stimmgeräte benennen die Töne allerdings meistens anders. Zu sehen bekommst du diese Töne: Es | F | G | G# | Bb | C | D | und wieder Eb. Eine Unverschämtheit, ich weiß.

Diese Bezeichnungen meinen klanglich exakt das Gleiche, tragen lediglich einen anderen Namen. Das Stimmgerät kennt beispielsweise kein „Ab“, nennt den Ton stattdessen „G#“. Zusammen hängt das mit der internationalen Schreibweise und mit dem Zauberwort der „enharmonischen Verwechslung“. Und so wird das deutsche „B“ denn auch international als „Bb“, das deutsche „H“ international als „B“ dargestellt. Lass dich nicht verwirren. Sobald du mehr von Noten und Harmonielehre verstehst, wird aus dem großen Fragezeichen eine Selbstverständlichkeit.

Basisstimmung der Hakenharfe in Eb-Dur
Basisstimmung der Hakenharfe in Eb-Dur Foto: Shuttestock von Alenavlad

Nun fühlst du dich plötzlich eingeschränkt. Immer nur in Eb-Dur zu spielen, kann nicht Sinn der Sache sein. Ist es auch nicht. Dafür, in andere Tonarten zu gelangen, stehen die Haken parat. Willst du nicht in der Tonart Eb-Dur, sondern in C-Dur spielen, musst du lediglich die entsprechenden Haken nach oben umlegen. In diesem Fall wären es die Eb-, Ab- und die B-Klappe. Trotz aller möglichen Klappenvariationen bleiben die möglichen Tonarten auf der keltischen Harfe begrenzt. Es gibt mehrere Tonarten, die du mit diesem Instrument einfach nicht bedienen kannst.

Die Basisstimmung in Eb-Dur bei Haken- und Einpedal-Harfen ist übrigens mit sinnvollem Hintergrund gewählt. Für unser menschliches Hörvermögen klingt diese Tonart besonders angenehm, weich und harmonisch. Und das passt doch perfekt zur zauberhaft romantischen Musik, die mit einer Harfe gespielt werden kann.

Stimmen der Doppelpedal- bzw. Konzertharfe

Umfangreicher in Sachen Tonarten ist die Doppelpedalharfe. Bei den heutzutage üblichen Konzertharfen handelt es sich übrigens in den allermeisten Fällen um Doppelpedalharfen. Das Prinzip ist, dass über die beiden Pedale die Saiten um bis zu zwei Halbtönen erhöht werden können. Per Klappen umstimmen muss man dafür nicht. Als Resultat kannst du damit in wirklich sämtlichen Tonarten spielen.

Die Konzertharfe mit zwei Pedalen wird in Cb-Dur gestimmt. Ausgangsstellung dafür ist, dass keines der Pedale getreten ist. Das klingt für musikalische Einsteiger jetzt mal echt nervig. Haltet noch ein wenig durch; gleich wird es wieder einfacher. Achtung, es geht los: Die Grundtöne heißen zunächst Cb | Db | Eb | Fb | Gb| Ab | Bb | Cb. Puh! Solche Noten kann kaum jemand spielen geschweige denn lesen. Aber die Erlösung folgt im wahrsten Sinne auf dem Fuße:

Werden die Pedale nun in die erste Stufe getreten, erhöhen sich die Töne auf C | D | E | F | G | A | H | C. Und schon sind wir bei der allseits bekannten Tonart und Tonleiter in C-Dur angelangt. Durch Treten der Pedale in der zweiten Stufe geht es noch einen Halbtonschritt höher. So kompliziert war es doch gar nicht. Die einzelnen Töne werden nach demselben Prinzip wie bei einer Hakenharfe oder Schülerharfe durchgestimmt.

Über die Pedale lassen sich sämtliche Tonarten erreichen
Über die Pedale lassen sich sämtliche Tonarten erreichen Foto: Shuttestock von Peter Voronov

Nicht ungewöhnliche Schwierigkeiten beim Hochspannen der Saiten

Probleme können beim Hochspannen der Saiten auftreten. Bei Metallsaiten musst du unbedingt aufpassen, die nicht deutlich zu überspannen. Andernfalls könnten sie allzu leicht reißen. Metall dehnt sich nun mal äußerst begrenzt, bevor es dir mit der Friedensfahne um die Ohren fliegt. Nylonsaiten mögen das auch nicht besonders. Dein praktischer Wegweiser ist das Stimmgerät, das du während des Stimmvorgangs dringend im Auge behalten solltest.

Kleine Tricks, wenn die Saiten beim Hochstimmen abrutschen

Zumal die Stimmwirbel keineswegs komplexe Konstrukte mit innovativer Technik sind, kann es leicht passieren, dass die Saiten beim Hochstimmen einfach wieder abrutschen. Eine praktische Lösung ist es, die Saite kurz wieder abzulassen – etwa um eine halbe Drehung des Stimmwirbels – und sie anschließend mit der einen Hand möglichst straff zu ziehen, während die andere Hand am Wirbel dreht. Fußballtrainer würden vermutlich sagen: „Harfe stimmen und Druck aufbauen“.

Reicht das nicht aus, kannst du dich direkt in den Baumarkt begeben und dir einen kleinen (!) Kunststoffhammer besorgen. Damit klopfst du die Wirbel – bitte vorsichtig – gegen den Hals. Und falls selbst das nicht ausreichen sollte, hilft dir ein wenig Kreide. Egal, ob Turnerkreide oder die aus der Schule. Wirbel rausnehmen, den Wirbelschacht damit einreiben und den nächsten Versuch starten. Jetzt dürfte und müsste es funktionieren. Nicht zu verwechseln mit dem Märchen vom kreidefressenden Wolf und den sieben jungen Geißlein.

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