Besonderheiten der guitarra flamenca

Flamenco-Gitarre kaufen und in die andalusische Musik eintauchen

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Der Flamenco erinnert uns an südländische Lebensfreude und Impulsivität. Es ist nicht lediglich ein Musikstil, es ist eine kunstvolle Lebensart. Leicht nachvollziehbar, wenn du von der aus Andalusien stammenden Musik fasziniert bist. Wir sind es auch. Und wenn du eine Flamenco-Gitarre kaufen möchtest, haben wir hier ein paar Tipps für dich.

Check it: Was du über die Flamenco-Gitarre wissen solltest

  • Alles andere als eine Standard-Klassikgitarre
  • Deutliche bauliche Unterschiede
  • Markante Klangunterschiede
  • Exkurs in die Anforderungen des Flamenco
  • Bebalkung und spezielle Spielweise
  • Ein paar typische Beispiele

Flamenco-Gitarren kaufen – und weshalb das keine Standard-Klassik ist

Wenn man eine Flamencogitarre und eine übliche klassische Gitarre nebeneinanderstellt, kann man die Instrumente zumindest mit Laienblick kaum voneinander unterschieden. Optisch sind sich die beiden zum Verwechseln ähnlich. Dabei haben sie sowohl klanglich deutliche Unterschiede. Das ist zwar keine optische Täuschung und hat ganz konkrete Gründe, aber ein wenig kurios ist es durchaus. Immerhin erkennt man zugleich, welche Auswirkungen die Bauweise, die Konstruktionsdetails und das verwendete Material im Gitarrenbau haben. Wenn du eine Flamencogitarre kaufen möchtest, solltet du über die Besonderheiten informiert sein. Okay, dann mal los:

Verwandt aber keineswegs identisch

Die Flamenco-Gitarre ist selbstverständlich mit der herkömmlichen Konzertgitarre eng verwandt. Und somit ist die Grundform auch identisch. Doch es gibt vielfältige Abweichungen. Das beginnt schon mal bei dem verwendeten Hölzern. Indes die Decken in der Regel aus kanadischer Zeder oder deutscher Fichte gefertigt werden, kommt für die Böden und Zargen in der Regel leichtes spanisches Zypressenholz zum Einsatz. Zudem sind die Hölzer dünner als bei Klassikgitarren. Die Hölzer sind übrigens auch namensbestimmend. Flamenco-Gitarren aus Zypressenholz werden als Blanca bezeichnet, solche aus Palisander als Negra.

Fest verwurzelt in der andalusischen Kultur | Foto: Pixabay von pcdazero

Deutliche bauliche Unterschiede

Damit lange noch nicht genug der baulichen Unterschiede. Zugleich ist der Korpus weniger tief als bei Konzertgitarren. Die Zargen sind etwa zwei bis drei Zentimeter schmaler. Das hat schon mal die Auswirkung, dass das Instrument leichter als die klassische Verwandte ist. Wenn du eine Flamenco-Gitarre kaufen möchtest, erstehst du im wahrsten Sinne des Wortes ein Leichtgewicht.

Speziell abgestimmt auf die Anforderungen des Flamenco

Um zu verstehen, weshalb diese und weitere Unterschiede überhaupt nötig sind, sollten wir uns zunächst mal mit dem Flamenco selbst auseinandersetzen. Die speziellen Wurzeln des Flamenco führen uns insbesondere ins spanische Andalusien und angrenzende Regionen. Dort ist er nicht nur Ausdruck der spanischen Folklore und gilt als universelle Kunst. Im Jahr 2010 wurde der Flamenco sogar zum Immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt. Der leidenschaftliche, hingebungsvolle Tanz wird mit viel Hingabe gelehrt und zelebriert.

Die drei Gesichter: Gesang, Tanz und Gitarre

Die drei Gesichter des Flamenco sind der Gesang, der Tanz und die Gitarre, außerdem die typischerweise eingesetzten Kastagnetten und die speziellen Fußgeräusche der Tänzer und Tänzerinnen. Das heißt per se, dass die Gitarre ausreichend durchsetzungsfähig sein muss, um einerseits die tragenden Rolle übernehmen zu können, andererseits in den Klängen der Kastagnetten und Schritte nicht unterzugehen. Wenn du dir eine Flamenco-Gitarre kaufen willst, wirst du schnell merken, dass das Instrument tatsächlich deutlich lauter und auch perkussiver als eine Klassikgitarre ist. Die Amplitude schlägt insbesondere in den Spitzen weiter auf, verebbt aber auch schneller. Das heißt, der lange anhaltende sonore Klang der klassischen Gitarre ist nicht die Zielsetzung.

Flamenco wird nicht gespielt, er wird zelebriert | Foto. Shutterstock von Dm_Cherry

Mit speziellem Klang durchsetzungsfähig

Der Klang der Instrumente fokussiert sich auf den höhenbetonten und mittleren Bereich. In den Mitten und Höhen sind Flamenco-Gitarren vergleichsweise sehr laut. Die tiefen Frequenzen hingegen sind kaum wahrnehmbar bis gar nicht vorhanden. Zielsetzung beim Bau von Konzertgitarren ist der warme und homogene Klang über sämtliche Frequenzbereiche hinweg. Exakt das ist bei der Flamencogitarre nicht gewünscht. Erreicht wird das übrigens auch dadurch, dass bei die Saiten bei manchen Instrumenten extrem stark gespannt sind.

Saitenlage aktuell nicht mehr so tief wie früher

Bei der Saitenlage war lange Zeit eine im Vergleich zur Konzertgitarre niedrige Lage mit geringem Abstand zum Griffbrett üblich. Auf diese Weise konnte einerseits die Spielweise trotz straffer Saitenspannung wiederum erleichtert werden. Zugleich ergeben sich dadurch die typisch perkussiven Schnarr-Geräusche, das durchaus gewollte Knacken im Hintergrund. In der jüngeren Vergangenheit hat sich ergeben, dass viele der Flamenco-Gitarristen auch konzertant spielen. Und weil die Nebengeräusche bei dieser Spielweise nicht erwünscht sind, sind viele Hersteller inzwischen zu einer höheren Saitenlage übergegangen, wofür wiederum die Steg-Höhe verantwortlich ist.

Golpeador als schützendes Schlagbrett

Gerade weil die Spielweise in der Regel äußerst perkussiv ist, wird bei manchen Gitarren über ein spezielles Bauteil die Decke vor Beschädigungen geschützt, dem sogenannten „Golpeador“. Letztlich ist das wie ein Pickguard bzw. Schlagbrett bei einer Western- oder E-Gitarre. Auf alle Fälle ein „Schutzschild“, was man bei einer normalen klassischen Gitarre in dieser Form nicht finden wird.

Mit dem Golpeador will das Instrument vor der Spielweise geschützt werden | Foto: Shutterstock von steve estvanik

Spezielle Bebalkung im Korpus-Inneren

Ein wesentlicher Faktor für den Klang einer akustischen Gitarre ist die sogenannte Verbalkung. Im Inneren des Korpus werden verschieden dimensionierte Balken angebracht, die einerseits die gesamt Konstruktion stabilisieren, aber auch den speziellen Klang- und Lautstärkeeigenschaften unterstützen sollen. Die Auswirkungen des Balkensystems auf den Gesamtklang können gar nicht hoch genug bewertet werden. Ohne Balken würde die Decke unkontrolliert schwingen, Aufgabe der Bebalkung ist es, die Schwingungen und Vibrationen zu kontrollieren.

Verbalkungsmuster werden als eines der wichtigsten Charakteristika der Gitarre verstanden. Auf die einzelnen Systeme hier erschöpfend einzugehen, würde den Rahmen vermutlich sprengen. Klar sein sollte aber, wenn du eine Flamenco-Gitarre kaufen möchtest, dass die Bebalkung von der klassischer Gitarren abweicht. In der Regel werden mehr Balken verbaut, wodurch der erwünscht trockene Klang zusätzlich definiert wird.

Für den harten Klang nach am Steg gespielt

Tatsache ist, dass der Klang des Instrumentes natürlich hauptsächlich von der Spielweise und der Spieltechnik abhängt. Und damit wären wir wieder mal bei unserer immer wieder überzeugten Aussage: Das eigentliche Instrument bist du selbst! Die Spielweise ist durchaus härter und somit auch anstrengender, besonders in den Zeiten, als die Gitarre als reines Begleitinstrument galt. Zudem wird die Durchsetzungsfähigkeit mit minimalem Sustain dadurch erreicht, dass mit der Anschlaghand sehr nah am Steg gespielt wird. Ein klassischer Gitarrist würde vermutlich durchdrehen, ein „Tocador“ eben nicht.

Thomann Classica Flamenco 1F – der preisgünstige Einstieg

Den günstigen Einstieg in die Welt des Flamenco ermöglicht die Thomann Classica Flamenco 1F. Ausgestattet mit einer massiven Fichtendecke bietet sie eine direkte Tonansprache und den gewünscht perkussiven Klang. Konzipiert ist das Instrument für den soliden Einsatz im Flamenco. Letztlich aber kannst du natürlich auch andere Genres darauf spielen. Gefertigt wird dieses Instrument übrigens in Portugal, womit schon mal klar wäre, dass der emotionale Flamenco seine Fans keinesfalls nur in Andalusien hat.

Thomann Classica Flamenco 1F

Thomann Classica Flamenco 1F

Kundenbewertung:
(72)

Cordoba F7 Flamenco – eine Stufe höher ins Regal gegriffen

Um ein sehr beliebtes und gleichermaßen bewährtes Modell handelt es sich bei der Cordoba F7 Flamenco. Die Gitarre wird aus den Flamenco-typischen Hölzern gefertigt. So besteht die Decke aus massiver Fichte, der Boden und die Zargen aus Zypresse. Das Instrument zeichnet sich durch gute Bespielbarkeit mit nicht allzu flacher Saitenlage aus und liefert dir einen ausdrucksstarken Klang, tatsächlich ist es der authentische Flamenco-Klang nach dem Vorbild der historischen spanischen Gitarrenbautechnik. Besonders gut für diesen Preisbereich, der integrierte Halsstab, über den die Halskrümmung nachjustiert werden kann. Außerdem verleiht er dem Hals die erforderliche Stabilität.

Cordoba F7 Flamenco

Cordoba F7 Flamenco

Kundenbewertung:
(33)

Alhambra 10 Fc Flamenco incl. Case – die absolute Schönheit

In eine andere Preis- und Klangebene begeben wir uns mit der 10 Fc von Alhambra. Wenn du eine qualitative Flamenco-Gitarre kaufen möchtest, könnte dies das Instrument deiner Wahl sein. Bei der Gitarre handelt es sich optisch um eine absolute Schönheit mit zauberhafter Struktur, schwarzem Binding und goldfarbenen Mechaniken, wobei sowohl die Verarbeitung als auch die Materialwahl sehr gut sind. Für die Decke kommt typischerweise massive Fichte zum Einsatz. Boden und Zargen bestehen aus ebenfalls massiver Zypresse. Ausgestattet ist das Instrument mit einem transparenten Schlagbrett, einem „Golpeador“, der die Decke vor deinen Fingernägeln schützt.

Alhambra 10 Fc Flamenco incl. Case

Alhambra 10 Fc Flamenco incl. Case

Kundenbewertung:
(2)

Felipe Conde FP-14 Flamenco Estudio

Die Eigenansprüche der spanischen Gitarrenbauer befinden sich auf hohem Niveau. Beim der Fertigung von Flamenco-Gitarren darf es keine Kompromisse geben; immerhin ist das für die stolzen Südländer eine Frage der Ehre. Ein gutes Beispiel dafür ist die Felipe Conde FP-14 Flamenco Estudio. Um es gleich vorweg auf den Punkt zu bringen: Die Gitarre wird aus mehr als 30 Jahre abgelagertem, in der Manufaktur luftgetrocknetem Tonholz gefertigt. Beachtlich, jetzt sollten wir einen Moment Pause machen und diesen Eindruck erstmal sacken lassen. Quatsch, weiter geht’s. Das Instrument wird von Hand in Madrid mit den typischen Hölzern gefertigt: massive Fichte für die Decke, massive Zypresse für Boden und Zargen.

Felipe Conde FP-14 Flamenco Estudio

Felipe Conde FP-14 Flamenco Estudio

Felipe Conde FC-28 Flamenco Concierto

Und wo wir schon mal in höheren Preisregionen schwelgen, können wir es uns nicht nehmen lassen, noch einen richtigen Hammer draufzusetzen. Die FC28 von Felipe Conde aus Madrid ist ein echtes Trauminstrument. Wie das eben genannte Modell wird auch für dieses Instrument über mehr als 30 Jahre abgelagertes, in der Manufaktur luftgetrocknetes Tonholz verwendet. Das ist aber längst nicht alles. Indes die Decke aus selektierter massiver Fichte besteht, werden Boden und Zargen aus massivem Palisander gefertigt. Konzipiert ist die Gitarre mit traditioneller Esteso-Deckenverbalkung. Wenn du diese Flamenco-Gitarre kaufen möchtest, kannst du schon mal deinen Kleinwagen verkaufen. Für das Instrument werden mehr als 12.500 Euronen aufgerufen.

Felipe Conde FC-28 Flamenco Concierto

Felipe Conde FC-28 Flamenco Concierto

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