Welche Gitarrenart ist für Anfänger am besten geeignet?

Einsteigerinstrument: E-Gitarre vs. klassische Gitarre

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In der Vergangenheit galt die Konzertgitarre als das Einsteigerinstrument für Gitarrenanfänger. Heutzutage sind die Gelehrten sich nicht mehr ganz so einig darüber, welche Alternative die bessere ist. Wir haben einige Argumente aufgelistet, die die Fragestellung besser aufklären und somit die Entscheidung erleichtern sollen:

Check it: Beginnen mit der elektrischen oder klassischen Gitarre?

  • Welche Punkte ihr für das sinnvolle Einsteigerinstrument beachten müsst.
  • Gibt es ausschließlich den einen Weg oder ist beides möglich?
  • Auf welcher Gitarrenart wird die Körper- und Handhaltung am besten geübt?
  • Welches Instrument bringt am meisten Spaß?
Der Klassiker als Einsteigerinstrument: die Schülergitarre
Der Klassiker als Einsteigerinstrument: die Schülergitarre Foto: Shutterstock von Paulo A. Sousa

Einsteigerinstrument: Pro Konzertgitarre

1. Reduzierung aufs Wichtige

Besonders Kinder sollten sich im Gitarrenunterricht auf das Wesentliche fokussieren können. An dieser Stelle punktet die klassische Gitarre mit Purismus. Im Gegensatz zur E-Gitarre wird ablenkendes Zubehör wie beispielsweise Verstärker oder experimentier- und soundfreudige Effektgeräte gar nicht erst benötigt. Anfänger werden beim Einsteigerinstrument nicht durch Nebensächlichkeiten überfordert.

2. Erste Akkorde

Erste Akkorde lassen sich auf der klassischen Gitarre relativ einfach und vor allem wohlklingend umsetzen. Die Nylonsaiten können gut kontrolliert werden; vorausgesetzt, die Finger- und Handhaltung stimmt. Und genau die kann auf der Schülergitarre am Anfang besser eingeübt werden als auf der elektrischen Kollegin.

3. Der Ton macht die (gute) Musik

Bei der E-Gitarre tendieren Schüler aufgrund (noch) mangelnder Kontrolle oft dazu, die dünnen Stahlsaiten zu fest runterzudrücken. Das Resultat sind schief klingende Töne. Die Nylonsaiten auf einer Konzertgitarre – insbesondere die hohen Saiten – machen ein Ziehen (und somit Verziehen) beim Spielen eigentlich nicht mit. Das bedeutet für Beginner, dass Einzeltöne auf der Schülergitarre als Einsteigerinstrument oft sauberer und konkreter definiert klingen.

Nylonsaiten schonen die Fingerkuppen
Nylonsaiten schonen die Fingerkuppen Foto: Shutterstock von PORTRAIT IMAGES ASIA BY NONWARIT

4. Nylonsaiten schonen die Fingerkuppen

Viele Schüler werden besonders am Anfang von schmerzenden Fingerkuppen der Greifhand demotiviert. Diese Schmerzen lassen nicht vollkommen vermeiden. Zunächst muss an den Kuppen schmerzschützende Hornhaut aufgebaut werden, dann wird es langsam entspannter.

Die Konzertgitarre hat als Einsteigerinstrument den Vorteil, dass die Nylonsaiten etwas humaner als dicke Stahlsaiten – wie auf der Westerngitarre – sind. Auf einer E-Gitarre hingegen sind die handelsüblichen Saiten dermaßen dünn, die Bespielbarkeit so perfektioniert, dass die beiden Kandidaten sich hier kaum voneinander unterscheiden.

5. Zupfen leicht gemacht

Beim Zupfen und Arpeggio-Passagen – den Akkordzerlegungen – werden die Töne nach einem Muster mit der rechten Hand einzeln angespielt. Die Saitenabstände sind bei der klassischen Gitarre größer als bei ihrer elektrischen Verwandten, auch der Hals ist breiter. Die Finger der Anschlagshand können die Einzeltöne aufgrund der vorhandenen Abstände leichter und zielsicherer treffen.

Vorausgesetzt der Daumen ist auf bzw. über der jeweiligen Saite platziert und „ruht“ nicht nur permanent auf der dicken E-Saite. Gleiches gilt übrigens für die Finger der Greifhand, sofern der stützende Daumen dort ist, wo er hingehört – nämlich in der Halsmitte als Klammergriff hinter den greifenden Fingern.

Korrekte Körperhaltung unterstützt das strukturierte Lernen
Korrekte Körperhaltung unterstützt das strukturierte Lernen Foto: Shutterstock von Goran Bogicevic

6. Klassische Körperhaltung

Gitarrenlehrer achten bei der Konzertgitarre konsequent auf die korrekte Körperhaltung. Aufrecht sitzend, meistens mit Fußbank, den Arm der Greifhand sinnvoll abgewinkelt und noch vieles mehr. Das Ergebnis ist, dass die Schüler sich nicht am Anfang Haltungsfehler angewöhnen, die sich später schwer wieder ausbügeln lassen.

Wird beispielsweise das Handgelenk der Greifhand nicht weit genug nach vorne geschoben, bedeutet das, dass die Finger nicht ausreichend Bewegungsfreiheit beim Spielen haben. Es gibt viele weitere Beispiele. Die klassische Körperhaltung unterstützt das wirklich nachhaltig strukturierte Lernen auf dem Einsteigerinstrument.

7. Leichter Transport

Die ersten Songs sitzen, nun möchte man diese den Freunden am Lagerfeuer vorspielen oder gemeinsam mit ihnen spielen und üben. Eine akustische Gitarre lässt sich besonders leicht von A nach B transportieren. Eigentlich kein konkreter Unterschied zwischen Konzertgitarre und E-Gitarre. Wenn da nicht bei der elektrischen Gitarre zwangsläufig das Zubehör inklusive Amp mitgeschleppt werden müsste.

8. Preis

Der Preis für ein qualitativ vernünftiges Instrument unterscheidet sich zwischen Konzert- und E-Gitarre kaum. Beide Varianten bewegen sich in ziemlich ähnlichen Kategorien; teuer kann’s immer noch werden. Allerdings kann eine E-Gitarre ohne Verstärker und Kabel nicht gespielt werden. Hinzu kommen Gitarrengurt, Plektren usw. Das Zusatzequipment muss beim Kauf hinzuaddiert werden. Insofern ist die Konzertgitarre das günstigere Einsteigerinstrument.

Einsteigerinstrument E-Gitarre – warum nicht?
Einsteigerinstrument E-Gitarre – warum nicht? Foto: Shutterstock von FrameStockFootages

Einsteigerinstrument: PRO E-GITARRE

1. Erlernen von E-Gitarren-spezifischen Techniken

Es gibt Spieltechniken der rechten Hand für die elektrische Gitarre, die über das puristische Spiel auf der Schülergitarre deutlich hinausgehen. Zum Beispiel das Dämpfen der Saiten mit dem Handballen, das Betätigen des Tremolo-Hebels, den wir auch gerne mal als Wimmerhaken bezeichnen, Bending (das Ziehen der Saiten), Reverse-Bending und vieles mehr.

Diese speziellen Techniken sind für viele aktuelle Musikstile von Rock und Blues bis Ska und Pop prägende Elemente. Es geht also auch um den persönlichen Musikgeschmack.

Gitarre mit Equipment entdecken macht einfach Spaß
Gitarre mit Equipment entdecken macht einfach Spaß Foto: Shutterstock von Yuriy Golub

2. E-Gitarre und das nötige Equipment

Zur E-Gitarre gehört auch als Einsteigerinstrument immer das entsprechende Equipment. Sich damit zu beschäftigen, ist bereits eine interessante Herausforderung, die echt Spaß machen kann. Jeder Verstärker und jedes Effektgerät haben ihren individuellen und speziellen Sound.

Für Schüler kann gerade diese breite Vielfalt der unterschiedlichen Klänge sehr inspirierend sein. Sie begeben sich frühzeitig auf eine musikalische Entdeckungsreise und lernen die Möglichkeiten des Instrumentes automatisch besser kennen.

In der Band setzt sich die E-Gitarre durch
In der Band setzt sich die E-Gitarre durch Foto: Shutterstock von 4 PM production

3. Das Bandzusammenspiel

Für Bandmitglieder eignet sich die E-Gitarre am besten. Grund dafür ist die erzielbare Lautstärke, zumal das Signal durch die Tonabnehmer abgenommen und über den Verstärker weitergeschickt wird. Das Resultat ist die Durchsetzungsfähigkeit im Bandzusammenhang, die mit einer rein akustischen Konzertgitarre kaum möglich ist. Schließlich wurde die E-Gitarre mit Tonabnehmer extra aus diesem Grund erfunden.

4. Weniger Kraftaufwand durch Technik

Einher geht damit auch die Relation von (durchsetzungsfähiger) Lautstärke zum Kraftaufwand. Mit einigermaßen vernünftigem Equipment braucht man die Töne auf der E-Gitarre nur sehr leicht anspielen und ist trotzdem erkennbar laut. Die Saiten können und sollen auf der Konzertgitarre ebenfalls ohne übertriebene Kraft angespielt werden. Das geht dann jedoch wieder zulasten der Durchsetzungsfähigkeit.

5. Familien- und nachbarschaftsfreundliches Üben möglich

Und wo wir schon mal bei dem Aspekt der Lautstärke sind: Eine E-Gitarre hat neben der machbaren Lautstärke einen weiteren, vollkommen gegensätzlichen Vorteil. Längst ist die Technik soweit, dass man mit kleinem Zusatzequipment auch mit Kopfhörern üben kann. Und wenn schon stunden- und tagelang immer wieder dasselbe gespielt werden muss, kann das nahezu lautlose Üben durchaus die Nerven von Familie und Nachbarn schonen.

6. Weniger Spreizfähigkeit der Finger nötig

Bei einer E-Gitarre liegen die Bünde gefühlt und faktisch näher zusammen als bei einer – ausgewachsenen – Konzertgitarre. Insbesondere in den hohen Lagen lassen sich dadurch Riffs und Melodien leichter spielen, zumal die Finger nicht so weit gespreizt werden müssen. Die Spreizfähigkeit der Finger ist eine wichtige Fähigkeit, die im Laufe der Zeit trainiert wird.

7. Körperhaltung

Während bei einer Schülergitarre anfangs mit einer höchst kontrollierten Körperhaltung gespielt und unterrichtet wird, zeigt sich das bei der E-Gitarre durchaus eine Portion lässiger. Zu lässig im Sitzen kann für die langfristigen Lernerfolge riskant sein, sollte also nicht übertrieben werden. Tatsache bleibt allerdings, dass bei der E-Gitarre hauptsächlich Wert auf die korrekte Arm-, Hand- und Fingerhaltung gelegt wird. Außerdem wird die elektrische Gitarre häufig im Stehen gespielt. Das kommt denjenigen entgegen, die sich nicht zu sehr reglementieren lassen möchten.

8. Reparaturfähigkeit

Im Gegensatz zur üblichen Schülergitarre besitzt die E-Gitarre einen Halsstab – einen stabilisierenden Stab, mit dem die Krümmung des Halses bei Bedarf vom Fachmann (!) nachjustiert werden kann. Gitarrenhälse sind anfällig gegen Temperaturschwankungen und haben bei Extremanforderungen die Neigung, sich mit Flitzebogen-Charakter bis zur Unbespielbarkeit zu verziehen. Bei der E-Gitarre ist die Reparatur relativ unkompliziert möglich, bei der Konzertgitarre nicht.

9. Die Außenwirkung

Schon in Sachen Form und Lackierung ermöglicht die E-Gitarre große Individualität. Die Vielfalt von Bauformen und Finishes am Markt ist immens, wodurch jeder das exakt zu seinem Geschmack passende Modell wählen kann. Dadurch wird die E-Gitarre bereits als Einsteigerinstrument zum Ausdruck von Charakter und Persönlichkeit der Schüler. Ein echter Identifikationsfaktor, der zum Durchhalten und Weitermachen animiert.

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