22. November – wir feiern den Tag der Hausmusik

Vorsätzlich den Blick vom Smartphone abwenden

| Foto: Shutterstock von ProximaCentauri1

Einfach mal wieder gemeinsam zu Hause einschließen und einfach nur Musik machen. Alle Jahre wieder am 22. November steht der Tag der Hausmusik vor der Tür. Also nicht wirklich, sondern mehr bildlich gesprochen. Gemeinsam gespielt wird, was auf den Tisch kommt. Dabei ist der Tag der Hausmusik keineswegs eine neumodische Erfindung, um etwas Verstaubtes künstlich wieder zu reanimieren. Vielmehr soll er Menschen seit etlichen Jahrzehnten zum Musikmachen daheim motivieren:

Aktionstag der Hausmusik seit mehr als 80 Jahren

Hierzulande initiiert wurde der Aktionstag 1932 von der ehemaligen Präsidentin des Deutschen Musikverleger-Verbandes e.V., Dagmar Sikorski. Einer über Jahrhunderte gepflegten Tradition sollte mit der gebührenden Aufmerksamkeit in den Fokus der Musizierenden gerückt werden. Zudem wurde 22 Jahre später seitens der katholischen Kirche der Namenstag der heiligen Cäcilia zum sogar internationalen Tag der Hausmusik erklärt. Die gute Dame galt als Heilige, Jungfrau, Märtyrerin sowie Schutzheilige der klerikalen Musik. Vermutlich kann sie die Feierlichkeiten nicht mehr miterleben; Cäcilia lebte etwa um 200 nach Christus. Das schafft selbst der unsterbliche Keith Richards nicht.

Ob sie noch immer über die Musik wacht? | Foto: Pixabay von stuks

Musizieren im nicht öffentlichen Umfeld war mal absolut angesagt

Tatsächlich befindet sich die Tradition der Hausmusik im Wandel. War das gemeinsame Singen von Volksliedern im nicht öffentlichen Raum im Mittelalter noch eine vollkommen übliche Freizeitbeschäftigung, gehörte die Hausmusik in der 18. und 19. Jahrhundert gewissermaßen zu den familiären Statussymbolen. Das gehobene Bürgertum legte Wert auf die musikalische Erziehung und Bildung der Vorzeigekinder.

Früher war die gebildete Hausmusik ein Status-Statement | Foto: Shutterstock von Everett Collection

Tradition im Wandel und leider spürbar in Vergessenheit geraten

Mittlerweile ist diese über Jahrtausende überlieferte Tradition leider deutlich auf dem Rückmarsch. Aufrechterhalten wird die Musikverbundenheit allerdings dadurch, dass Musiker im häuslichen Umfeld Konzerte geben; besonders stark zu beobachten ist das in vornehmlich katholischen Ländern wie Spanien, wo dies eben nicht nur der Tag der Hausmusik, sondern der Tag der Musiker ist und etliche Konzerte an unterschiedlichsten Orten gespielt werden.

Nur noch zu wenigen Anlässen wird daheim gemeinsam musiziert

Fragen wir uns doch mal, zu welchen Gelegenheiten wir noch im nicht öffentlichen Umfeld gemeinsam singen oder muszieren. Üblicherweise beschränkt sich das doch auf das das fröhlich gegrölte Happy Birthday oder die von Harmonie geschwängerten Weihnachtslieder, dann vielleicht noch das Begrüßungslied im Kindergarten; aber dort befinden die Kids sich bereits im öffentlichen Raum. Und wie privat das „Gold und Silber lieb ich sehr“ zur silbernen oder goldenen Hochzeit ist, sei mal dahingestellt. Eigentlich schade.

Überall werden Weichen für die Zukunft gestellt – bei uns auch

Also, liebe Fans der handgemachten Heimmusik lasst uns umdenken und – neudeutsch – modernisieren. Stellt die Boxen auf die Fensterbänke, die E-Gitarren auf den Wohnzimmertisch, platziert euch mit euren Trompeten, Saxophonen und Geigen auf dem Balkon, holt die Tonnen aus dem Waschkeller und bastelt euch ein Drum-Set daraus. „Highway to Hell“ auf der per Mikro abgenommenen Blockflöte hämmert durch sämtliche Etagen und schon fühlt die Oma sich wieder wie eine 20-Jährige. Heimmusik darf nicht untergehen; deswegen ist der Aktionstag zugleich ein Mahnmal im positiven Sinne.

Weil’s einfach Spaß macht | Foto: Shutterstock von Dejan Dundjerski

Und was Hausmusik mit Toleranz zu tun hat

Und nein, liebe enthusiastisch Heimmusizierende, selbstverständlich wollen wir eine Problematik dieses eindrucksvollen Aktionstages nicht unter den berühmten Verschwiegenheitsteppich kehren. Voraussetzung für ergiebiges Musikmachen in den häuslichen vier Wänden ist natürlich auch die gute Portion Toleranz, nämlich die der ruheverwöhnten Nachbarn, Hausmeister und Ordnungshüter.

Hausmusik ist gleichbedeutend mit Gemeinschaft

Obschon es inzwischen sogar Urteile dazu gibt, ob und wie lange lautstarke Instrumente zu Hause gespielt und geübt werden dürfen, hat gerade der Tag der Hausmusik doch das Toleranz-Potenzial schlechthin. Immerhin hat kein Mensch behauptet, die Nachbarn dürften nicht mitspielen.

Welches Instrument Frau Bratschadt aus der dritten Etage spielt die jeden Freitag immer so unüberhörbar mit dem Wischmopp gegen das Treppengeländer hämmert, müsst ihr schon selbst herausfinden. Vielleicht bringt sie auch einfach ihren üblicherweise nervtötenden und repertoirebeschränkten Papagei mit, der zu jeder Harmoniefolge „Männer sind Schweine“ grölt. Auch das ein Zeichen der Toleranz.

Schon jetzt wünschen wir euch viel Freude; es lohnt sich!

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Eine sehr besondere Art von Hausmusik gab es im Frühjahr 2020 als musikalisches Statement zum Durchhalten während der Corona-Pandemie. Schaut mal hier: „Musik gegen Corona: Ode an die Freude direkt vom Balkon“.

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