Übungen auf der Trompete

Effizienter Trompete spielen: 4 praktische Übungen


Sich mit der Effizienz von Trompeten-Übungen auseinanderzusetzen, ist sinnvoll. Je zielgerichteter unser Übeprogramm ist, desto mehr Zeit bleibt uns für Musik: Wer sein stets gleichbleibendes zweistündiges Trainingsprogramm jahrelang täglich absolviert, entdeckt irgendwann, dass er das aus den Augen verloren hat, was einst der Grund war, wieso er begonnen hat, ein ­Instrument zu spielen: Wir wollten Musik machen und nicht nur Tonleitern rauf und runter spielen. »Üben üben« ist nicht sinnvoll.

Sich mit der Effizienz von Übungen auseinanderzusetzen, ist sinnvoll. Je zielgerichteter unser Übeprogramm ist, desto mehr Zeit bleibt uns für Musik: Wer sein stets gleichbleibendes zweistündiges Trainingsprogramm jahrelang täglich absolviert, entdeckt irgendwann, dass er das aus den Augen verloren hat, was einst der Grund war, wieso er begonnen hat, ein ­Instrument zu spielen: Wir wollten Musik machen und nicht nur Tonleitern rauf und runter spielen. »Üben üben« ist nicht sinnvoll.

Das sind die Themen der Serie:

  • Einspielen (in 12 Minuten)
  • Höhe und Flexibilität
  • Artikulation und Luftfluss
  • Ausdauer und Kraft

Einspielen bei Blechbläsern – wie sinnvoll ist das wirklich?

Da gehen die Meinungen auseinander. Es gibt Brass-Gurus, die behaupten, einspielen sei letztlich Nonsens, mit der richtigen Einstellung ginge es auch ohne. Die Wahrheit ist aber eine andere: Alle spielen sich ein. Man ist so einfach besser aufgewärmt, stimmt und klingt besser. Und vor allem: die Besten tun’s sogar ganz akribisch. ­Vieles hat mich dabei richtig verblüfft. ­Raten Sie mal, welches die Lieblingsübung von Ole Edvard Antonsen ist… Die zweite Studie von Clarke! Täglich in Viertelnoten schön sauber zelebriert, so lange bis es schön klingt. Das sagen übrigens die meisten, von Hans Gansch bis zu Arnold Jacobs: »So lange einspielen, bis es schön klingt.«

Der Körper und die Lippe fühlen sich jeden Tag anders an. Es gibt Sternstunden, in ­denen sich Atemapparat und Ansatz sofort wunderbar anfühlen: Dann kann man schon zu Beginn fast alles spielen. Aber es gibt eben auch Tage, an denen wir noch nicht gleich Zugriff auf unser vertrautes Spielgefühl haben. Außerdem besteht zu Beginn eine hohe Verletzungsgefahr, weil die spieltechnisch relevanten Muskeln noch nicht die notwendige Elastizität besitzen. Auch die Atemmuskeln (!) sind noch nicht elastisch und leistungsfähig genug. Aus dem Sport gibt es viel zu lernen. Da nämlich sind Aufwärmen und Dehnen eine Selbstverständlichkeit.

Einspielen wie die Profis

Das Motto lautet: Jeden Tag leicht variiert, je nach Tagesverfassung. Mal reichen zwei Minuten Atemübungen und zwei Minuten Mundstück und mal dauert es 30 Minuten, bis es klingt. Es ist ratsam, unser volles Ohren­merk schon von ersten Ton an auf Klang und Musik zu lenken und nicht primär auf Ansatz und Funktionalität. Die ­ersten Töne sind zu kostbar, um sie nicht positiv zu nutzen. ­Roger Bobo sagt: »Stell dir den besten ­Musiker in deinem Kopf ­zuerst vor und versuch dann, genau so zu klingen wie er. « So mancher Brass-Guru legt seinen Fokus nur auf das Funktionelle, was teils furchtbare Folgen hat. Wir müssen laut Adolph Herseth (Ex-Solo­trompeter Chicago) nicht versuchen, gut zu spielen, sondern zunächst »gut zu klingen«, denn der Ton macht ja die Musik. Wenn man als Musiker gefragt sein will, muss man einfach fantastisch klingen, das C⁴ ist da nur klägliche Nebensache. Wie sagte Hans Gansch einmal: »Ich spiele so lange nur einfache Töne, bis mein Ton schwingt.«

Körperliche Präsenz und geistige Wachheit sind die Urgründe, aus denen wir unser abrufbares Können schöpfen. Die körperliche Komponente beabsichtigt ein sich immer wieder aufs Neue Anfreunden mit dem ­Körper, kein sich Bemächtigen, sondern ein »freundliches Bewohnen«.

Vom geistigen Standpunkt aus spielt die Wachheit und die hohe Beobachtungsgabe eine ähnliche ­Rolle wie die Königsdisziplin: die Vorstellung im Kopf. Denn wir sind morgen, was wir heute denken und uns eben »vorstellen«. Der US-Amerikaner ­Arnold Jacobs drückt das so aus: Zuerst kommt die Vorstellung im Kopf, wie man klingen möchte. Dann kommt mehr oder weniger präzise das heraus, was wir uns eben vor-gestellt haben. Das ist beim Einspielen der Leit­gedanke – wir sollen uns in eine uns ge­fällige Klangwelt »hineinspielen«.

Klingt alles logisch, aber in der Regel ­schauen wir zuerst mal, »was heute so rauskommt«, und korrigieren dann mühevoll das Ge­spielte. Schlimmer noch: Das zufällig produzierte »Ungeliebte« bleibt oft tief in unserer körperlichen Erinnerung hängen. Die Pausen beim Einspielen sind mindestens genauso wichtig wie das Spielen selbst! Der Muskel benötigt diese Ruhepause dringend, um sich dehnbar zu machen und auch zu regenerieren.

Ein Wort zu James Stamp: Natürlich sind die Übungen von Stamp (Pedaltöne & Co.) fantastisch, diese können aber aus recht­lichen Gründen hier nicht abgebildet werden.

Atem-Übungen

Der Atemfluss ist das A und O. Die Devise ­lautet konsequent: Bevor der Atem nicht kraftvoll und gänzlich unverkrampft fließt, läuft nichts. Das Atemvolumen ist dabei immer die Herausforderung. Ein guter Trick ist auch, mit »Warmluft« (in der Vorstellung von ganz innen) anstelle von »Kaltluft« zu spielen, so kann man rasch auf die ganze Palette von Obertönen, die im Körper erzeugt werden, zugreifen.

Eine wich­tige ­Erfahrung: Wenn der Atemapparat gut aufgewärmt ist (was mit der angeführten »Atemfaust nach Arnold Jacobs« meist in drei Minuten erreicht werden kann), können wir die Hälfte der Einspielübungen, die wir schon unser ganzes Bläserleben lang herunterbeten, getrost beiseite lassen. ­Bitte ausprobieren! Schon zwei Minuten tägliches Atemtraining wirken Wunder. Nahezu alle großen Musiker haben verschiedene Übungen im Repertoire, eine fantastische Übung ist hier vorgestellt (so kann man sich auch die ganzen überteuerten Atemtrainer getrost sparen!).

Ein Beispiel: Arnold Jacobs »Atemfaust«. Durch die geballte Faust (also mit leichtem Widerstand) ein- und wieder ausatmen, die ­Finger dabei nur so weit öffnen, dass man ordentlich saugen muss, um genügend Luft in ­relativ kurzer Zeit einsaugen und wieder auspusten zu können, eine wahre Wunderübung! (fünf bis zehn Mal wiederholen)

Mundstück-Spiel

Der Luftwiderstand, den uns die Ver­engung der Mundstückbohrung beschert, kann unser größter Freund, aber auch ein hartnäckiger Feind sein – wenn die Kehle den Luftwiderstand abfängt, ist »der Hals zu«. Mundstück-Spiel kann das verhindern. Viele gute Musiker spielen auch zu Beginn zwei bis drei Minuten Flatterzunge. Da hat der Kehlkopf keine andere Wahl: Er muss sich öffnen! Beim Spielen von einfachen Übungen oder noch besser Melodien kann sich der Körper täglich aufs Neue mit diesem Widerstand anfreunden und ihn sogar nutzen.

Überhaupt gilt das Mundstück-Spielen bei den meisten Profis als effiziente Methode, die optimale Schwingungsresonanz von Lippen und Körper rasch zu erreichen. Zwei bis fünf Minuten täglich, je nach Tagesverfassung, reichen. Welche Übungen man spielt, ist gar nicht mal so bedeutend. Wichtig ist die die Tatsache, dass man es tut. Ich rate allen, dabei völlig auf den Stoß zu verzichten, die Töne anzuhauchen, um so dem optimierten Luftfluss Priorität zu ­geben. Zielführend ist dabei auch, dass man die Übungen immer von der Mittel­lage aus startet.

Ein Beispiel sei hier angeführt.

Besonders auf tiefe Atmung und Luftfluss achten. In dieser Phase die Lippen sehr ge­schlossen halten und am besten nur durch die Nase atmen!

Auf dem Instrument

Ich hatte das Glück, viele bekannte fantastische Trompeter beim Einspielen beobachten zu können. Keiner spielte sich »spektakulär« ein. Fast alle spielen wirklich einfache und sangliche, sonore Melodiefetzen in Sequenzen. ABER: jeder Ton ist genau überlegt und wunderbar ausgeführt. Da gibt’s kein »Rumspielen«. Noch ein Tipp für die ersten Töne: Viele gute Leute »hauchen« zu Beginn die Töne an, ohne zu stoßen. Das aktiviert und kultiviert zusätzlich die ­Sensibilität der Lippen.

Mundraum und Luftfluss

Der Mundraum beherbergt unsere Zunge. Diese wiederum ist hauptverantwortlich für unser Spiel. Max Schlossberg hat Anfang des 20. Jahrhunderts eine fantastische Schule geschrieben. Die vorliegenden Übungen sind eine Interpretation seiner Übungen und eine Weiterführung. Bitte achten sie besonders auf eine Hochstellung des Zungenrückens, die ein flexibles Spiel ohne Mühe ermöglicht. Und: Hilfsgriffe verwenden! Auf tiefe Atmung, Luftfluss und geschlossene Lippen achten, die Zunge macht die Arbeit.

Artikulation

Luftfluss und Zungenstellung sind aufs Engste miteinander verwoben. Ein Artikulationstraining wie das folgende ist ideal geeignet, um alle Parameter des Zungenstoßes zu üben und zugleich Profit für anderes zu schlagen. Auch diese Übung ist von Max Schlossberg inspiriert. Die ersten beiden Beispiele (G-Dur und As-Dur bis zum dritten Beispiel C-Dur) sollen halbtonschrittmäßig nach oben fortgeführt werden. Abwechselnd tenuto und staccato, total klar und perfekt mit Metronom üben! (Trompetenfuchs, Band 3, Seite 26)

Flexibilität

Flexibilität oder Geschmeidigkeit ist die halbe Miete. Ebenso die Höhe. Seien wir ehrlich: Wenn die Höhe da ist und die Töne bei heiklen Bindungen problemlos kommen, ist das Spielen ein Vergnügen. Diese Übung geht eindeutig schon ins »Trainieren« und nicht ins »Einspielen«. Diese beiden Vorgaben sollten nicht verwechselt werden! Wieder: sehr tief einatmen und mithilfe einer Zungenhochstellung und eines »herrlich intensiven und dichten Luftflusses« spielen!

Wenn Sie das vorliegende Programm mit kleinen Pausen durchgespielt haben, haben Sie bereits zwölf Minuten gespielt und sind schon ganz prima in Schuss für den Tag… Viel Spaß dabei und ich freue mich, wenn Sie sich auch für den nächsten Artikel interessieren: Flexibilität und Höhe! Wer mehr interessante Übungen und Musikstücke zum Thema sucht: »Der Trompetenfuchs« Band 1 (für Anfänger) bis 3 (für gute Spieler bis Profis) ist voll davon! Natürlich finden sich in diesen Schulen noch viele andere Übungen, und vor allem Musik, Musik, Musik (erschienen im HAGE-Verlag).

Dieser Artikel stammt aus dem Fachmagazin für Blasmusik Clarino 05/15  – weitere Fachartikel aus der Ausgabe findest du hier!

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