Filmische Zeitreise mit kleinen Fehlern

Guitar-Fail in „Zurück in die Zukunft“ – Marty auf einer Gibson, die’s noch gar nicht gibt.

Foto: extrahiert aus YouTube-Video

„Zurück in die Zukunft“ ist ein Hammerstreifen, der die Kinokassen gesprengt und es schnellstens zum unvergessenen Klassiker geschafft hat. Marty katapultiert sich mithilfe der von Doc Brown entworfenen Zeitmaschine durch die Jahrzehnte und spielt dabei auf unvergleichliche Weise mit Klischees und der Realität zwischen damals und heute. Allerdings auch auf einer Gibson ES-345, die es zu dem Zeitpunkt noch gar nicht gab.

Wenn man die Zeitlinie verändert, stößt das auch Gitarristen sauer auf

Wenn Du möglicherweise nie geboren wirst

In der Vergangenheit angekommen, passiert Marty ein nicht ganz unwesentliches Missgeschick: Unbeabsichtigt verhindert er, dass seine Eltern sich kennenlernen. Ein Malheur, dass er dringend korrigieren muss, wenn er in der Realität nicht ungeboren sein will. Gar nicht mal so einfach. Schließlich ist sein Vater in der damaligen Zeit alles andere als ein Womanizer. Marty braucht eine Lösung.

Science-Fiction der auf den Kopf gestellten Art

Penibel genau wurde im Drehbuch auf die zeitlich stimmigen Details geachtet. Auf dem Das Unwirkliche und Surreale sollte durch stimmige Fakten den besonderen Hauch von Retro erhalten. Und die Illusion durfte auf keinen Fall zu kurz kommen. Die Frauen tragen Petticoats, die Frisuren der Männer sind mit Pomade gestylt. Der Bassist der Band auf dem Ball spielt zeitgemäß auf einem Kontrabass. Fast alles passt und stimmt. Aber eben nur fast.

Gitarrengeschichte für filmische Erbsenzähler

Michael J. Fox alias Marty McFly spielt in dem legendären Film eine Gibson 345. Ein Filmfehler, der bei aller perfekten Recherche bei Gitarristen für ein leichtes Schmunzeln sorgen sollte. Immerhin reist er aus dem Jahr 1985 zurück ins Jahr 1955. Das Modell brachte Gibson aber erst 1958 auf den Markt. Zu diesem Zeitpunkt gab es diese Gitarren also noch gar nicht.

Die Erklärung ist relativ simpel. Die Gibson ES war eine Leihinstrument von Normans Rare Guitars in Los Angeles. In dem Gitarrenladen geben sich die Stars die Klinke in die Hand. Außerdem verleiht Besitzer Norman Harris Filminstrumente als Requisiten für Hollywood-Produktionen. Vermutlich war ihm die Unstimmigkeit der Jahreszahl bekannt, wenngleich das nicht belegt ist.

Viel wichtiger aber: Die rote Gibson gefiel dem Regisseur und Drehbuchautor Robert Zemeckis einfach besser als die zeitlich authentische ES-350T. Also hieß es, die historischen Augen zuzukneifen und darauf hoffen, dass es keiner bemerkt. Diese Hoffnung war erwies sich definitiv als trügerisch. Gitarristen sind bekanntlich detailverliebt unbeirrbare Erbsenzähler.

Marty aus der Zukunft als Blaupause für Chuck Berry

Bei den verdrehten Jahrzehnten muss man übrigens bei aller Romantik gehörig aufpassen, nicht den Zeitfaden zu verlieren. Vor Augen halten müsst ihr euch, dass Marty zwar spielt und performt wie Chuck Berry. Allerdings hat Berry „Johnny B. Goode“ bis dahin noch nicht gespielt und der typische Duck-Walk wollte auch erst noch gelaufen werden.

Erst durch den Auftritt von Marty wird Chuck zu seinem Stil inspiriert. Der Cousin von Chuck Berry hält den Telefonhörer in den Ballsaal. „Chuck, Chuck, hier ist Marvin. Du bist doch auf der Suche nach ‘nem neuen Sound. Hör dir das mal an!“ Ganz schön verdreht. Auch Johnny B. Goode wurde erst 1958 veröffentlicht.

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Interesse an mehr aus der Welt der E-Gitarren? Dann schmeiß doch mal Augen und Ohren auf diesen Artikel zum Thema „Bending auf der E-Gitarre“ – auch Marty musste das vor den Filmaufnahmen erstmal lernen.

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