News: Linkin Park und das Fragezeichen der Doku „Unshatter“

Bekommt Chester Bennington zu wenig Raum?

Nach Jahren der Pause hat Linkin Park wieder zusammengefunden. | Dennis Radaelli, CC0, via Wikimedia Commons

Nach Jahren der Pause hat Linkin Park wieder zusammengefunden, diesmal mit Emily Armstrong am Mikro. Eingerahmt wurde das Comeback in die seit Ende September im Kino zu sehende Doku „Unshatter“. Doch die wirft bei Kritikern Fragen auf: Findet Chester Bennington im Film zu selten statt?

Seit dem 30. September ist „Unshatter“ im Kino zu sehen. Regie führte Bandmitglied Joe Hahn. Der Film begleitet Linkin Park von gemeinsamen Studiosessions im Jahr 2022, über die Entstehung von „From Zero“, bis zum großen Konzert in São Paulo. Neben Armstrong gehört inzwischen auch der Schlagzeuger Colin Brittain zur Band.

Es geht nicht um Schweigen, sondern um Gewichtung

Und selbstverständlich gehört das langjährige Gesicht der Band, Chester Bennington, mit zu einer solchen Aufarbeitung. Bekannt und berüchtigt war der Frontmann von Linkin Park für seinen extremen Tonumfang. So war Chester Bennington imstande, mit kraftvoller Bruststimme bis in die fünfte Oktave zu singen, also sogar noch mehr als Freddie Mercury. Nicht zu vergessen, seine teils exzentrischen, rohen und emotionalen Gesangspassagen. Zu den besonders berüchtigten Augenblicken gehört sein Schrei in der Bridge von „Giving Up“, der dauerte nämlich satte 17 Sekunden und das live. Nur stellte sich die Frage, wie stark man das Thema seines Suizids und die Trauer um die traurigen Vorfälle gewichten würde.

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Chester Benningtons lebenslanger Kampf

Chester Bennington war als Missbrauchsopfer seelisch zeitlebens schwer gezeichnet. Seinen lebenslangen Kampf verlor er am 20. Juli 2017 durch Suizid. Die Musikwelt war zutiefst schockiert, hatte sie doch eine Identifikationsfigur verloren, einen Rocksänger, der mit seiner Offenheit und Ehrlichkeit zahlreiche Menschen inspiriert hatte und ihnen zumindest ein Stück weit geholfen hat. Allerdings tauchen Kritiken auf, die genau diese Punkte im Film als zu wenig beleuchtet darstellen. Ist da irgendwas dran?

„Es war einfach alles beschissen“

Dass dieser Neustart nicht selbstverständlich war, wird in dem Film deutlich gemacht. „Es war einfach alles beschissen“, sagt Hahn laut SRF gleich zu Beginn. Mike Shinoda erzählt, dass es ihm schwer fiel, sich Linkin Park mit einer neuen Stimme vorzustellen. Auch Brad Delson, Gitarrist der Band, war zunächst skeptisch. Trotzdem entstanden nach und nach neue Songs. Die Band findet wieder zusammen, plant das Album und stellt schließlich ihre neue Sängerin vor. Für Fans gibt es dabei Einblicke in eine Zeit, in der noch niemand wusste, ob dieses Comeback überhaupt funktionieren würde.

Erst im Abspann präsent?

Tatsächlich sind persönliche Erinnerungen und alte Aufnahmen von Chester Bennington über weite Strecken des Films nicht zu finden. Erst im Abspann tauche Chester in Form von Archivmaterial auf. Allerdings werden immer wieder Szenen eingeblendet, mit denen die Emotionen der Bandmitglieder in den Mittelpunkt gerückt werden. Dass die Kritik von vielen als nicht haltbar dargestellt wird, ergibt sich insbeondere aus der Tatsache, dass die Musiker mit großer Offenheit über ihre Trauer als auch die Folgen von Chesters‘ Tod sprechen und auch mit dem Vermächtnis demütig umgehen.

In Interviews hatte Joe Hahn betont, er sei weiterhin ein großer Teil von allem, was sie tun. Insofern scheint es durchaus angebracht, die Doku richtig einzuordnen. Es ist eben ein Film über die Band von gestern bis zum aktuellen Neustart und keinesfalls eine Aufarbeitung der Jahre mit Chester bis zu seinem tragischen Ende.

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