Klein, fein und viel zu oft grenzenlos unterschätzt

Otamatone spielen für Einsteiger – der vermenschlichte Synthie

Foto: aus YouTube-Video extrahiert https://www.youtube.com/watch?v=9w5ZHMwIzvY

Es gibt sie zuhauf, die unterschätzten Instrumente mit unbedingter Daseinsberechtigung. Oftmals treffen wir auf solche Protagonisten bei den Naturinstrumenten. Aber auch in der elektrischen Sparte gibt es Überraschungen. So kannst du beispielsweise Otamatone spielen und damit für zunächst lächelnde und dann staunende Gesichter sorgen. Aber was ist das überhaupt? Schauen wir mal:

Check it: Otamatone spielen – zwischen Spaß und Perfektion

  • Kein Grund für überholtes Schubkastendenken
  • Von kuriosen bis zu experimentellen Klängen
  • Spezielle Klangerzeugung der Kaulquappe
  • Problematik der exakten Intonation
  • Spieltechniken von Portamento bis WahWah

Otamatone spielen – Schubkastendenken ciao

Ernstzunehmendes Musikinstrument oder Spielzeug? Die Frage stellt sich allenfalls für diejenigen, die für das eigene Wohlbefinden fest bürokratisierte Kategorien benötigen. Manche Instrumente passen nun mal nicht in einsame Schubladen; wenigsten nicht in eine einzige. Die Otamatone wird zwar als singendes Spielzeug bezeichnet. Tatsächlich aber handelt es sich um einen rudimentären Synthesizer im Spielzeugformat, mit dem sich einige sehr spezielle Effekte umsetzen lassen. Sehen wir genauer hin, was und wie man auf einer Otamatone spielen kann:

Vertonter Unfug oder experimentell visionär?

Mag sein, dass die Otamatone aufgrund ihrer Herkunft in die Spielzeugecke gedrängt wird. Immerhin wurde sie von einem japanischen Spielzeughersteller erfunden, nämlich der Firma CUBE im Jahr 1998. Verantwortlich für das spezielle Design war die ebenfalls aus Japan stammende Firma Maywa Denki. Die Manga-verliebten Asiaten hatten sich damit an den Anforderungen von Kids orientiert und ernsthafte Musiker im selben Zug gewissermaßen vor den Kopf gestoßen. Dabei war die Idee geradezu genial, weil absolut auf den Punkt gebracht.

Schon klar, aus welcher Welt die schrille Otamatone stammt | Foto: Shutterstock von meiko_KODAKA

Kurioses Design im Format einer Mega-Achtelnote

Designt ist die Otamatone in Form eine Achtelnote, also mit Bauch, Hals und der berüchtigten Fahne. Typisch gibt es das Instrument in unterschiedlichen, teils schrillen Farben, außerdem mit Designs, die an Manga & Co. erinnern. Wie bei einem Keyboard handelt es sich eben nicht um ein Naturinstrument. Stattdessen bestehen die äußeren Komponenten aus Kunststoff, der Hals und die Fahne aus Plastik, der Bauch dehnbarem und zugleich nicht zu weichem Gummi. Eines ist klar: Optisch ist das Otamatone ein Hingucker mit Fun-Faktor.

Das Design der Otamatone gleicht einer Achtelnote | Foto: Shutterstock von best4u

Der Versuch einer Klangbeschreibung

Synthetische Klänge mit Worten zu beschreiben, ist ohnehin nicht ganz simpel. Klang muss man hören, erst dann wird die musikalische Vorstellungskraft wirklich beflügelt. Im allwissenden Web ist als Klangbeschreibung immer wieder zu lesen, die Otamatone sei vergleichbar mit einem Theremin, einem Synthesizer und sogar der menschlichen Gesangsstimme verglichen. Das ist vermutlich ziemlich hoch bzw. am falschen Kleiderhaken aufgehängt. Die Aussage ist ein verkehrt verstandenes Werbestatement. Am Reiz des Instrumentes ändert das nichts. Der Klang ist eigenständig, leicht quäkend, identifizierbar und durchsetzungsfähig.

Auf alle Fälle ungewöhnlich

Wenn du Otamatone spielen möchtest, lässt du dich damit auf ein interessantes Abenteuer ein. Immerhin ist die Klangerzeugung recht ungewöhnlich. Immer wieder wird versucht, Vergleiche mit anderen Instrumenten anzustellen. Die sind aber meistens nicht möglich und zweitens irreführend. Die Klangerzeugung erfolgt durch Druck mit einem Finger auf die Sensoroberfläche auf der vorderen Seite des Halses. Ausgegeben wird der Klang über den Kopf, der sich wiederum individuell beeinflussen lässt.

Otamatone spielbereit machen

Bevor du auf der Otamatone spielen kannst, musst du sie zunächst einsatzbereit herausputzen. Das ist allerdings nicht das geringste Problem, stattdessen vollkommen simpel. Letztlich beschränkt sich die Vorbereitung darauf, die AAA-Batterien einzusetzen. Anschließend stellst du am Volumenregler die gewünschte Lautstärke ein und wählst schlussendlich am Oktavenregler das jeweilige Level niedrig, mittel oder hoch.

Über den Oktaven-Regler werden verschiedene Tonhöhen eingestellt | Foto: von Thomann

Und schon geht’s los – die ersten Töne per Fingerdruck

Um Töne auf der Otamatone zu erzeugen, drückst du an beliebiger Stelle auf die vordere Seite des Halses, auf der sich die Klangfläche befindet. Bedenken musst du dabei, dass auf dem Griffbrett keinerlei Bünde wie etwa bei einer Gitarre vorhanden sind, an denen du dich in Sachen Tonhöhe orientieren kannst. Theoretisch kannst du die Griffposition für die jeweiligen Einzeltöne mit einem Marker auf der Grifffläche anzeichnen. Du könntest ein digitales Stimmgerät zu Hilfe nehmen, die Töne bestimmen und darauf basierend die Markierungen setzen. Allerdings bleibt es bei der Theorie.

Einfach auf die Grifffläche drücken, schon tönt da was | Foto: von Thomann

Bünde markieren allenfalls eingeschränkt möglich

Die positive Option, die Tonhöhe bzw. Oktaven zu verstellen, erweist sich für solche hilfreichen Markierungen als Problem. Sobald du über den Wahlschalter eine andere Tonhöhe wählst, stimmen die Abstände der Markierungen und somit die Töne nicht mehr. Wollten wir die gemalte Bundierung auf die Spitze treiben, müsstest du für alle drei Tonhöhen in unterschiedlichen Farben Markierungen setzen. Das Resultat wäre die gelebte Unübersichtlichkeit schlechthin.

Umso verwirrender, bei Wahl verschiedener Tonleitern

Und die Problematik wäre noch nicht mal überwunden. Immerhin kannst du bei den Modellen wie der Otamatone Neo oder Otamatone Techno auch zwischen verschiedenen Tonleitern wählen. Und dann hat auch die letzte Markierung sich selbst den Garaus gemacht. Noch weniger als zuvor werden die Abstände der Töne stimmen, zumal die Differenzen exakt definiert werden müssen. Konzipiert sind die Tonabstände wie bei einem Gitarrenhals. Von den tiefen zu den hohen Tönen werden die Abstände kleiner. Exakt diese Tatsache steht der tonartübergreifenden Markierung im Wege.

Die Problematik der sauberen Intonation

Aber du bist höchst ambitioniert und weißt genau, dass es kein Instrument ohne jeweils spezielle Herausforderungen gibt. Wie jeder Violinist wirst du dir die korrekte Lage der Töne schrittweise und mit Übungsfleiß erarbeiten. Wichtig ist das dafür, damit die Melodien wenigstens einigermaßen sauber intoniert klingen. Wenn du Otamatone spielen möchtest, brauchst du ein gut ausgebildetes Gehör. Aber keine Furcht vor Unlösbarem. Kontrolliere dich immer wieder selbst. Kontinuierlich wirst du besser und treffsicherer werden.

Die virtuelle Menschlichkeit über den Mund des Instrumentes

Besonders facettenreih klingt der Ton durch Öffnen und Schließen des Mundes. Und nein, die Rede ist nicht von deinem Mund, sondern von dem des Instrumentes, der sich am Bauch befindet. Vorstellen könntest du dir daraus resultierenden Sound wie bei einem Dämpfer auf der Trompete. Erst recht, weil das Instrument hinsichtlich seines Designs vermenschlicht ist, werden Erinnerungen an eine singende oder jaulende Bauchrednerpuppe wach.

Mit dem Mund in Klang und Design vermenschlicht | Foto: von Thomann

Mit Wah-Wah-Effekt vermenschlichte Töne

Lediglich eine der Besonderheiten, allerdings eine durchaus entscheidende, ist der Wah-Wah-Effekt, den du durch variablen Druck auf den „Kopf“ der Otamatone erreichst, wobei der „Mund“ des Instrumentes eben mehr oder weniger geschlossen wird. Gerade über diesen Effekt bekommen die Töne einen stimmähnlichen Charakter. Unkompliziert kannst du diese Tonerzeugung an dir selbst ausprobieren. Wenn du einen dauerhaften Ton singst und währenddessen die Lippen abwechselnd weiter öffnest und wieder zusammenziehst, geschieht genau der gleiche Effekt. Nur willst du nicht singen, sondern Otamatone spielen. Wie gesagt, der vermenschlichte Effekt ist identisch.

Unterbrechungsfreier Tonwechsel mit Portamento

Durch weitere Spieltechniken lassen sich die Melodien auf der Otamatone besonders organisch und abwechslungsreich gestalten. Widmen wir uns zunächst dem Portamento. Tolle Wurst, woher sollst du als Einsteiger wissen, was Portamento bedeutet. Ruhig Blut, hier kommt auch schon die Erklärung: Mit Portamento bezeichnet man den unterbrechungsfreien Wechsel zwischen zwei Tönen. Plakativ ausgedrückt: Nachdem du einen Ton gegriffen hast, gleitest du – ohne den Finger hochzuheben – zum nächsten Ton und wieder zurück.

Otamatone ist das geborene Legato-Instrument

Das gleiche Prinzip gilt für Legato-Noten, für gebundene Noten, für die eben nicht separat abgesetzt wird. Das Otamatone ist für diese Spielweise geradezu prädestiniert. Während bei anderen Instrumenten wie beispielsweise der Gitarre nur der erste Ton angeschlagen und dann zum nächsten Ton gerutscht wird, bei einer Violine bei einem Bogenstrich die Greifhand von einem Ton zum nächsten Ton gleitet, ist das beim Otamatone noch eine Portion simpler. Immerhin wird kein Ton angeschlagen, sondern lediglich per Finger gedrückt. Wenn du solche Töne auf der Otamatone spielen möchtest, hältst du den Druck des Fingers einfach aufrecht und gleitest zugleich zum nächsten – gebundenen – Ton. Keinesfalls übertrieben ist die Behauptung, die Otamatone sei das geborene Legato-Instrument. Captain Kirk lässt grüßen.

Vibrato: Mit sämtlichen Frequenzen fest in der Luft

Und so hält das Instrument weitere Ausdrucksmöglichkeiten für dich bereit, beispielsweise das Vibrato. Schon wieder ein erklärungswürdiger musikalischer Fachbegriff. Dürfen wir es kompliziert machen? Vibrato ist in der Musik die periodisch wiederkehrende geringfüge Veränderung der Frequenz eines gehaltenen Tons. Irre, das muss auch verständlicher auf den Punkt zu bringen sein. Okay, nächster Versuch. Wenn du einen gespielten Ton ganz leicht und mehrfach nach oben oder unten veränderst und jeweils in die Ausgangsposition zurückkehrst, entsteht ein schwebender Ton. Exakt das versteht man unter Vibrato. Aber wie funktioniert, wenn du Vibrato auf dem Otamatone spielen möchtest?

Den zitternden Wendehalt nicht übertreiben

Entgegen kommt dir dabei die Tatsache, dass der Hals leicht beweglich ist. Indes du einen Ton spielst oder bereits gespielt hast und ihn weiterklingen lässt, bewegst du zeitgleich den Hals des Instrumentes hin und her. Bitte nicht zu stark, schließlich möchtest du lediglich den Ton modulieren und nicht gleich den Hals abbrechen. Und überhaupt solltest den Einsatz von Vibrato als Effekt nicht übertreiben, ihn stattdessen auf lange Töne beschränken wie die letzten Töne einer Phrase oder Passage. Effizient eingesetztes Vibrato macht die Töne lebendig, ausdrucksstark und expressiv. Überzogenes Vibrato hingegen sorgt eher dafür, dass das ganze Stück wehleidig vor sich hin jammert. Das war vermutlich nicht dein Ziel.

Otamatone Classic Crystal Clear Pink

Otamatone Classic Crystal Clear Pink

Otamatone Classic Crystal Clear

Otamatone Classic Crystal Clear

Kundenbewertung:
(1)
Otamatone Deluxe Black

Otamatone Deluxe Black

Kundenbewertung:
(29)
Otamatone Neo White

Otamatone Neo White

Kundenbewertung:
(6)

+++

Auch interessant: „Workshop: Wie funktioniert ein Synthesizer?

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Das könnte Dich auch interessieren: