Warum Musiker noch immer schräge Vögel sind – Part 1

Berufswunsch mit Schnappatmungsfaktor

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Es gibt kaum Eltern, die sich nicht für Ihre Kinder wünschen, dass sie musikalisch gefördert werden. Sie sollen ihre Sinne schärfen, sich die Finger wundspielen oder singen und ein wunderbares Hobby entdecken. Die Vorzeigekinder daddeln nicht nur auf dem Smartphone, sie spielen ein Instrument oder singen; vorbildlich. Nur, wenn sie mit ausreichender Begabung aus dem Hobby plötzlich einen Beruf machen wollen, bekommen die Eltern Pickel und Schnappatmung. Wir haben ein Beispiel für euch:

Wenn du auf der Straße von kopfschüttelnden Blicken begleitet wirst

Manchmal ist ihm das schon ein wenig unangenehm, aber er weiß nicht so recht, wie er damit umgehen soll. Er könnte auch darauf verzichten, aber wieso sollte er das tun? Er tut mit seiner Neigung ja keinem Menschen was zuleide. Andererseits, die anderen schauen ihn immer so merkwürdig an, als ob er nicht alle am Christbaum hätte, wenn sie an ihm vorbeigehen und er gerade fröhlich vor sich hinsingt.

Erst mal kräftig fein gemacht; es ist Jubiläum

Heute hat er seine automatisch beste, weil einzige Krawatte aus dem Schrank geholt und sich so fein gemacht, wie‘s eben geht. Er ist das ja eigentlich nicht gewohnt. Aber heute ist ein ganz besonderer Tag. Heute vor fünf Jahren hat er es zum ersten Mal bemerkt. Zunächst war diese Erkenntnis nicht so einfach, aber dann hat er sich gedacht:

„Schröder, wenn das nun mal deine Veranlagung ist, dann musst du dazu stehen.“

Er wartete noch ein paar Tage, dann ging er zu seinen Eltern. Um die Situation ein wenig zu entkrampfen, hatte er für seine Mutter ein kleines Usambaraveilchen vom örtlichen Fair-Trade-Händler und für seinen Vater eine Schachtel vegane Zigaretten gekauft. Und dann hatte er die beiden feierlich auf das große Sofa setzen wollen, was leider nicht ganz klappte, weil sein Vater sich nicht wirklich händchenhaltend neben die Mutter setzen wollte. Also setzte der Vater sich wieder auf den großen Ohrensessel und reichte der Mutter zwar nicht die Hand, aber immerhin einen Blick.

Eine Versöhnungsgeste kann nicht schaden | Foto: Shutterstock von Spreadthesign und Kazakova Maryia

Gesprächsvorbereitung mit der guten Portion Pathos

Mit pathetischer Geste schenkte Schröder seinen Eltern ein Glas Sekt ein, während seine Mutter ihn neugierig mit Blicken absuchte. Aber sie kam nicht darauf. Genauso würdevoll wie unsicher erhob Schröder sein Glas und sagte:

„Mutter, Vater, ich habe euch hier zusammengerufen, um euch etwas Wichtiges mitzuteilen.“

„Nun spann‘ uns nicht länger auf die Folter.“ sagte seine Mutter ungeduldig.

„Wieviel brauchst du?“ fragte sein Vater.

„Mutter, Vater, ich weiß, es wird euch nicht leichtfallen, das zu akzeptieren, aber ihr habt mich das Licht dieser Welt erblicken lassen, und wenn ihr mich liebt, wie man einen Sohn liebt, wird das, was ich euch jetzt mitteilen werde, nicht zwischen uns stehen.“

Schrecksekunden mit weit aufgerissenen Scheunentor-Augen

Die Augen von Schröders‘ Mutter standen vor lauter Aufregung weit offen, wie ein Scheunentor. Was hatte das zu bedeuten? Hatte er in Las Vegas geheiratet, hatte er irgendwo eingebrochen, oder war er heimlich zur Marine konvertiert?

„Mutter, Vater!“ Schröder holte noch einmal ganz tief Luft, „Ich bin ein Sänger …!“

„Ein was?“ fragte seine Mutter.

„Ein Sänger …!“

„Wieso das denn?“

Das Drama nimmt seinen Lauf | Foto: Shutterstock von rogistok

Dass Singen so befreiend sei, erklärte Schröder seinen Eltern, und er eigentlich alles Mögliche singe. Dass er da nicht so festgelegt sei, es eher von seiner Stimmung abhänge. Kann schon mal was Klassisches sein oder ein Gospel oder ein Shanty. Obwohl, eigentlich steht er eher auf die alten Klassiker, wie »Born To Be Wild« und so.

„Aber Schröder … !“

Seine Mutter nennt ihn immer beim Nachnamen, wenn es ernst wird.

Schröders Vater schaute nun höchst wichtig hinter seiner Brille hervor und sagte zu seiner Frau:

„Mensch, Hiltrud, lass den Jungen doch mal ausreden!“

Doch die war kaum zu bremsen:

„Aber Junge, weißt du, was du uns damit antust? All die Jahre, und nun kommst du und sagst, du bist ein Sänger. Was meinst du, wie ich mich jetzt beim Einkaufen fühle, wenn die Müller an der Kasse vom Supermarkt mich anglotzt. Und ich weiß dann genau, was sie denkt: »Die arme Frau, ihr Sohn ist jetzt auf der schiefen Bahn.« Ich meine, haben wir dir nicht immer ein sauberes Zuhause geboten? Und jetzt sowas.“

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Bloß nicht ab- und aufhalten lassen – Musik ist Leben mit purer Energie

Tatsache bleibt, wenn ihr mit der Musik beginnt, kann kein Mensch vorhersagen, wohin euch die Reise führt, ob sie euch als Hobby durchs Leben begleitet, ihr eines Tages sogar eure Brötchen damit verdient oder möglicherweise eine richtig erfolgreiche Karriere hinlegt. Lasst die Nachbarn und Passanten einfach reden und macht, was euch Freude bringt. Die Musik ist Teil eurer Persönlichkeit. Und das gilt gleichermaßen im Umkehrschluss. Ihr müsst nur dazu stehen und euch eure eigenen Ziele setzen.

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