Der Kontrabass hat seinen unbestrittenen Platz als unverzichtbares Element der klassischen Musik. Weitaus mehr und vor allem auch frühzeitiger als seine direkten Verwandten Violine, Bratsche und Violoncello hat er sich aber auch in vollkommen anderen Genres sein Zuhause gesucht. Wenn du einen Kontrabass kaufen möchtest, stehen dir diverse musikalische Welte offen. Hier ein paar Infos.
Check it: Kontrabass für Anfänger – ein Ratgeber
- Welche musikalischen Türen mit dem Kontrabass offenstehen
- Für welche Bauweise und Holzart du dich entscheiden kannst
- Welche Größe zu dir am besten passt
- Wie hoch die Anforderungen beim Spielen sind
- Warum der Neukauf empfehlenswert ist
- Von Bespielbarkeit über Klang bis zu Besonderheiten
Kontrabass – weit geöffnete Türen
Der Kontrabass gehört zu den klassischen Streichinstrumenten, hat sich aber im Gegensatz zu seinen unmittelbaren Artverwandten, der Violine, der Brasche und dem Cello, aber auch mit anderen Spieltechniken als con arco wie Slap oder Pizzicato schnell einen Platz in musikalischen Genres wie dem Jazz, Rockabilly, Rock’n’Roll und vielen weiteren gesichert. Wenn du einen Kontrabass spielen möchtest, stehen dir im Tieftonkeller endlos viele Türen offen. Das ist eindeutig etwas Besonderes: Du selbst kannst entscheiden, wie und was du auf dem Instrument spielst.
Laminiertes Holz oder Massivholz – was ist besser beim Kontrabass?
Es ist und bleibt ein Dauerbrennerthema: Für welches Holz bzw. welche Bauart solltest du dich entscheiden, wenn du einen Kontrabass haben möchtest: Sperrholz oder Massivholz? Insbesondere geht es dabei um die Decke, den Boden und die Zargen. Kontrabässe aus Vollholz verfügen in der Regel über eine Decke aus massiver Fichte, wohingegen Boden und Zargen aus Ahorn gefertigt werden. Das ist tatsächlich der seit vielen Jahren existierende Standard.

Wie ist das Holz bei einem laminierten Kontrabass aufgebaut?
Anders ist das bei Instrumenten aus laminiertem – gesperrtem – Holz. Hier gibt es zwar Holzarten, die häufig verwendet werden, aber keinen wirklichen Standard. Bei diesen Kontrabässen werden mehrere dünne Schichten in einem speziellen Faserverlauf-Winkel zusammengeleimt. Da das aber selten schön aussieht, wird für die abschließende Oberfläche oftmals noch eine Furnierschicht aus Fichte mit sichtbarer Maserung und Struktur genutzt.
Das ist häufig so perfekt umgesetzt, dass der Unterschied mit Laienaugen kaum erkennbar ist. Des Weiteren gibt es teilmassive Kontrabässe. Bei dieser Variante besteht dann die Decke aus massivem Holz – Fichte – und Zargen sowie Boden aus Sperrholz.
Kontrabass für Anfänger: Vollholz mit besseren Schwingungseigenschaften
Wie bei anderen Saiteninstrumenten auch, ist das verwendete Holz ein Qualitäts- als auch Preiskriterium. Ganz simpel: Vollholz hat bessere Schwingungseigenschaften, sodass die Instrumente vermeintlich edler und lauter klingen, zumal ein weniger eingeschränktes Frequenzspektrum mit differenzierteren Höhe und mehr Tiefbässen zur Verfügung steht.
Laminierte und teilmassive Kontrabässe sind deutlich günstiger
Im Gegensatz dazu liefern die Instrumente aus Sperrholz einen eher mittenbetonten Klang. Tatsächlich aber bleibt das eine Geschmacksfrage und ist letztlich auch davon abhängig, bei welcher Art von Musik du am häufigsten deine Künste präsentieren möchtest. Tatsache ist, wenn du einen Kontrabass kaufen möchtest, sind die Instrumente aus Vollholz deutlich teurer als ihre laminierten oder teilmassiven Kameraden.
Kontrabass für Anfänger: Sperrholz ist weniger Feedback-anfällig
Nun sollte man allerdings keinesfalls zu früh die Stimme gegen laminierte Kontrabässe erheben und sie als Billig-Variante abtun. Ganz im Gegenteil! Denn diese Modelle haben auch eine Menge Vorzüge mit an Bord. So sind sie weitaus unempfindlicher und stabiler, zumal bauartbedingt etwa Risse seltener entstehen können.
Bei Pickup-Abnahme eines Kontrabasses werden die Vorzüge nivelliert
Die Soundvorteile der Vollholz-Modelle entfallen, sobald wir über die Abnahme per Pickup sprechen, da die Nachteile über den entsprechenden Tonabnehmer, den Verstärker, Equalizer und etwaige Effekte mühelos ausgeglichen werden können. Und gerade in diesem Kontext punkten die laminierten Instrumente: Die Feedback-Entwicklung – bei akustischen Instrumenten immer ein Thema bei höheren Lautstärken – ist geringer.

Mit welchem Trick gewinnt der Kontrabass Anfänger für sich?
Klar ist: Ein ausgewachsener Kontrabass ist angesichts seiner Dimensionen schon ein Monstrum. Als 4/4-Instrument hat er eine Mensur von 110 cm. Davon leitet sich auch die Empfehlung ab, Kontrabassisten sollten für ein solches Instrument mindestens 1,85 bis 1,95 cm groß sein. Dumm gelaufen, welcher Anfänger ist das schon? Wenn du dir als Anfänger einen Kontrabass zulegen möchtest, profitierst du davon, dass es glücklicherweise auch Instrumente in anderen Größen gibt. Und die sind sogar weitaus geläufiger.
Ist der 4/4-Kontrabass Standard?
Tatsächlich nein, denn rund 90 Prozent der Bassisten spielen einen 3/4-Kontrabass, bei dem die schwingende Saite eine Länge von 104 cm hat und das Instrument kleiner und kompakter ist. Für Kinder bis zu Jugendlichen und Frauen gibt es weitere Modelle, so den 2/4-Kontrabass mit einer schwingenden Saitenlänge von 98 cm und den 1/4-Kontrabass mit 92 cm Saitenlänge, die auch bereits mit einer Körpergröße ab 1,55 m gespielt werden können. Während 4/4-Bässe selten genutzt werden, gilt der 3/4-Kontrabass als Standard-„Männer-Bass“, der 1/2-Bass als „Frauen-Bass“ und der 1/4-Bass aus Ausbildungsbass für Jugendliche. Und ja: Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel!
Die hohen Lagen liegen einfach zu weit entfernt
Die eigentliche Problematik bei großdimensionierten Instrumenten ist ja nicht, dass du sie irgendwie halten musst. Vielmehr zeigt sich die Herausforderung beim Spielen, insbesondere dem Greifen der Töne in den hohen Lagen und in dem Zusammenhang gleichzeitig den Bogenstrich ausreichend tief und somit wohlklingend auszuführen.

Ein bisschen Wortklauberei darf durchaus sein
Während die schwingende Saitenlänge beim E-Bass „Mensur“ genannt wird, heißt sie beim Kontrabass exakt so: „Schwingende Saitenlänge“. Das macht die Kontrabassisten-Fraktion umso sympathischer, offensichtlich haben sie keinen Grund, sich für Laien missverständlich auszudrücken. Bekanntlich hat ein Kontrabass keine Bünde oder Bundstäbchen wie eine Gitarre oder ein E-Bass – so es sich denn nicht um ein Fretless-Modell handelt. Es muss also eine andere Orientierungshilfe her.
Kontrabass-Spielorientierung beim Übergang von Hals zu Halsfuß
Genutzt wird dafür beim Kontrabass meist der Übergang vom Hals zum Halsfuß auf der Rückseite des Halses. Sobald sich der Daumen an dieser Stelle befindet, greift der Zeigefinger auf dem Griffbrett quasi automatisch ein D oder ein Eb. Schon ist klar, ob es sich um einen Kontrabass mit D- oder Eb-Mensur handelt. Hierzulande sind Bässe mit D-Mensur üblich.
Wenn du dir als Anfänger einen Kontrabass zulegen möchtest, solltest du einkalkulieren, dass du ihn möglicherweise irgendwann wieder verkaufen willst oder musst. Instrumente mit D-Mensur lassen sich dabei deutlich einfacher auf dem Gebrauchtmarkt wieder loswerden.
Sollte man sich einen Kontrabass neu oder gebraucht kaufen?
Gar nicht so verkehrt könnte der Gedanke sein, sich einen Kontrabass gebraucht zuzulegen. Die qualitative Bauweise und das vernünftige Einspielen vorausgesetzt, können solche Instrumente sogar besser als die „frisch von der Stange“ kommenden Mitbewerber sein. Immerhin ist bekannt, dass Kontrabässe sich im Laufe der Zeit entwickeln.
Da könnte doch jemand anders die „Drecksarbeit“ bereits übernommen haben. Allerdings kann sich die Idee auch sehr schnell selbst erwürgen, falls sich doch eine oder mehrere Macken am Instrument herausstellen. Wenn du einen Kontrabass neu kaufen wirst, hast du eine mehrjährige Garantie. Außerdem tut es dir als Anfänger ganz gut, den Weg des Einspielens gemeinsam mit deinem Instrument zu gehen. So werdet ihr beide gemeinsam immer besser. Das schweißt zusammen.
Die Bespielbarkeit eines Kontrabasses ist höchst wichtig, aber schwer einzuschätzen
Zu den wichtigsten Kriterien, wenn du dir als Anfänger einen Kontrabass kaufen möchtest, gehört natürlich die Bespielbarkeit. Immerhin ist das Instrument nicht so ganz filigran und du möchtest mit deiner Errungenschaft nicht schon bald kämpfen müssen. Wie angenehm und klangschön das Instrument zu bespielen ist, lässt sich aber ehrlich gesagt nicht ganz so leicht einschätzen. Das Problem ist, dass die Kandidaten wirklich rundum gut eingestellt sein müssen.

Das beginnt bereits bei der Saitenlage, die weder zu tief noch zu hoch sein darf. Da jeder Kontrabassist in dieser Hinsicht individuelle Vorstellungen hat, ist der Vergleich umso schwieriger. Oder um es markanter auszudrücken: Wenn das Instrument nicht auf Anhieb deinen Präferenzen entspricht, könnte es sich – anders eingestellt – doch als dein absoluter Traum-Kontrabass erweisen.
Der Klang ist beim Kontrabass das wichtigstes Kriterium schlechthin
Wir reden von Musik, wir reden von Klang. Nur folgerichtig ist der Klang das entscheidende Argument schlechthin. Dabei checkst du natürlich zunächst ob der Kontrabass über alle Lagen hinweg gleichmäßig und gesund klingt. Das bezieht sich auf die Grundlautstärke, ob es irgendwo klappert, scheppert oder knarrt und ob irgendwo Deadspots vorhanden sind.
Hochbedeutend aber ist das bewusst gewählte Wort „gleichmäßig“. Sollten irgendwelche Töne oder Bereiche abfallen, stimmt was nicht. Möglichweise kann dann noch der Weg in die Werkstatt helfen. Doch als Einsteiger wirst du kaum ein Instrument mit zeitgleich anstehender Reparatur kaufen wollen.
Überlege zuvor, in welchen Kontrabass-Sphären du fliegen möchtest
Auch wenn du mit dem Instrument so ziemlich alles machen kannst, solltest du vor deiner Entscheidung für das jeweilige Modell darüber Gedanken machen, welche Art von Musik du machen möchtest. Der Grund: Üblicherweise verfügt der Kontrabass über vier Saiten, nämlich das E1, A1, D und G.
Sollte dir allerdings schon jetzt klar sein, dass deine Heimat das Sinfonieorchester werden soll, könntest du dir frühzeitig darüber Gedanken machen, dich für einen Kontrabass mit fünf Saiten zu entscheiden, mit dem du dann die dort geforderten Töne Es, D, Des und C spielen kannst. Doch ehrlich gesagt ist das wohl kein Thema für Anfänger. Bleiben wir erstmal dabei zu wissen, dass es auch fünfsaitige Kontrabässe gibt.
Bist du mit dem Kontrabass schon eine Runde weiter? Dann lies doch diesen Artikel: „Slappen auf dem Kontrabass“






