Klavier Kaufberatung

Klavier kaufen für Anfänger: Gebraucht oder neu?

Klavier-Tastatur

Du möchtest dir ein Klavier kaufen? Dabei gibt es einiges zu beachten. Wir verraten dir, worauf du beim Kauf eines gebrauchten Klaviers achten solltest, welches Klavier für Anfänger geeignet ist und welche Besonderheiten du beachten sollten.

Inhalt:

Darauf solltest du beim Kauf achten

Welcher Preis ist angemessen?

Pianos für Anfänger

Die bekanntesten Marken und Hersteller

Gebrauchte Klaviere

Darauf solltest du beim Kauf achten

Jeder Pianist ist anders und alle haben unterschiedliche Bedürfnisse. Willst du dir ein Klavier kaufen, solltest du dir also zunächst zu ein paar generellen Aspekten einige Gedanken machen. Dazu zählen der Anschlag des Instruments, die Lautstärke, die Bedienung und der Funktionsumfang.

Dementsprechend kommen auch nicht unbedingt nur ein klassisches Klavier für dich in Frage, sondern auch ein E-Piano, Stage Piano oder für den größeren Geldbeutel ein Flügel.

Nichts für Pianisten: Das Keyboard
Auf ein Keyboard solltest du jedoch besser verzichten. Für Pianisten – ob Anfänger oder Profi – ist dieses Instrument nicht wirklich geeignet, da es weder über den benötigten Tastenumfang, noch über eine gewichtete Tastatur verfügt. Gerade diese ist für die Entwicklung des Spielgefühls, daher also besonders für Anfänger, von Bedeutung. Anfänger, die auf einem Klavier Unterricht nehmen, fällt es zudem schwer, sich auf die leichteren Tasten des Keyboards einzustellen und Kinder haben oft das Problem, dass sie sich auf die leichten Keyboardtasten einstellen und dann mit den schweren Klaviertasten nicht mehr zurecht kommen.

E-Piano und Stage-Piano: elektronische Alternativen zum Klavier
Trotzdem gibt es auch für Pianisten elektronische Alternativen zum Klavier oder Flügel. Die preiswerteste Form ist das E-Piano. Es verfügt wie ein Klavier über 88 Tasten und meistens über eine Hammermechanik, die das Spielgefühl eines Pianos nachahmt. Neben dem günstigeren Preis bietet ein E-Piano außerdem den Vorteil, dass die Lautstärke angepasst werden kann oder das Instrument ganz über Kopfhörer gespielt wird. Besonders in hellhörigen Wohnungen mit schwierigen Nachbarn kann das praktisch sein. Außerdem verfügen E-Pianos in der Regel über ein eingebautes Metronom und bietet die Möglichkeit mehrstimmiger Aufnahmen. Ein gutes Einsteigermodell bekommst du ab ca. 1000 Euro.

Etwas kostspieliger ist das Stage-Piano. Das ist vorwiegend für die Bühne konzipiert eignet sich aber auch für kleiner Wohnungen oder Zimmer mit wenig Platz, da es auf einen Keyboardständer passt und flexibel auf- und abgebaut werden kann. Das Stage-Piano ist wesentlich robuster als das E-Piano und erzeugt in der Regel einen sehr schönen Klavier-Klang. Du solltest jedoch beachten, dass viele Stage-Pianos nicht über interne Boxen verfügen und du meistens noch ein zusätzliches Pedal benötigst. Ein gutes Einsteigermodell wie das Roland RD-300 NX bekommst du ab ca. 1.500 Euro.

The real deal: Das Klavier und der Flügel
Vielleicht kommt aber auch nur ein akustisches Klavier für dich in Frage, da du Wert auf ein besonders gutes Spielgefühl legst und dein Geldbeutel auch nicht zu klein ist. Bevor du dir jedoch ein Klavier kaufst, solltest du schauen, ob du genug Platz in der Wohnung hast und die Nachbarn tolerant für das durchaus etwas lautere Instrument sind. Steht das Klavier außerdem an einer kalten Außenwand oder im Durchzug wird es sich schneller verstimmen. Außerdem sollte das Klavier nicht in direktem Sonnenlicht, vor einer Heizung oder in einem kalten, feuchten Raum stehen.

Überlege dir also genau, was dein Budget ist und wie viel Platz du hast, also welche Maße das Klavier haben kann. Das wird deine Auswahl schon einmal eingrenzen. Danach kommt es ganz auf deine persönlichen Vorlieben an. Du kommst also nicht ums spielen drum herum, dabei solltest du dich auf keinen Fall schämen, falls du noch nicht so toll spielen kannst. Schließlich geht es hier ja um dich und eine große Investition. Am besten bittest du auch darum, dass du etwas Zeit mit dem Klavier alleine bekommst, damit ihr euch ganz ungestört „näher“ kommen könnt. Das gleiche gilt natürlich auch bei einem Flügel oder einem Stage- und E-Piano. J

Zwei bis vier Wochen nach dem Kauf, also auch dem Umzug, solltest du das Klavier zudem stimmen lassen, da es sich dann an die neue Umgebung und das Raumklima angepasst haben sollte. In der Regel muss ein Klavier einmal im Jahr gestimmt werden, gerade bei neueren Instrumenten kann es aber auch mal öfters vorkommen, da es manchmal Weile dauert, bis sich alles im Piano „gesetzt“ hat. Für eine Stimmung solltest du zwischen 60 und 140 Euro einplanen.

Für Anfänger eignet sich ein Flügel wegen der hohen Kosten eher nicht. Erfahrenere Pianisten werden jedoch das oft bessere Spielgefühl schätzen, da in der Regel ein schlechter Flügel immer noch besser ist, als ein sehr gutes Klavier. Einen Stutzflügel mit 1,50 Meter Länge bekommst du ab ca. 9.000 Euro, für einen großen Flügel werden locker über 20.000 Euro fällig.

Klavier Unterricht

Welcher Preis ist angemessen?

Die günstigsten Klaviere bekommst du heutzutage schon für knapp unter 1.500 Euro. Für ein Konzertpiano kannst du jedoch bis das Zehnfachen dieser Summe ausgeben. Deutsche Fabrikate gibt es ab ca. 6.000 Euro im Handel. Bei Flügeln ist die Preisspanne noch größer. Die günstigsten Flügel kosten um die 5.000 Euro, für einen Konzertflügel eines namhaften Herstellers kannst du auch locker mehr als 75.000 Euro zahlen. Beachte aber unbedingt, dass gerade bei billigen Instrumenten starke Qualitätsunterschiede bei den Materialien und der Sorgfalt der Verarbeitung herrschen. Das schlägt sich nicht nur im Klang und der Spielart nieder, sondern auch in der Langlebigkeit des Instruments.

Möchtest du ein preiswerteres, jedoch qualitativ hochwertigeres Instrument erwerben, solltest du einen Blick auf japanische und koreanische Pianos und Flügel werfen.

Klaviere für Anfänger

Auch wenn der hohe Preis abschreckend wirkt, sollten sich auch Anfänger kein Billig-Modell kaufen. Bei vielen billigen Klaviere haben die mechanischen Bauteile nämlich eine schlechte Qualität, wodurch sich die Instrumente schwerer spielen lassen. Gerade in der Anfangszeit kann das zu viel Frustration führen.

Außerdem ist die Lebenszeit dieser Instrumente oft viel geringer, die Anschaffungskosten liegen aber trotzdem bei mehreren Hundert Euro.

Fängst du gerade an Klavier zu lernen und bist noch unschlüssig, ob dieses Instrument wirklich etwas für dich ist, kannst du die ersten drei Monate auch erst mal auf einem günstigeren Keyboard spielen, danach solltest du aber unbedingt auf ein Klavier, E-, oder Stage-Piano wechseln.

Flügel-yamaha

Die bekanntesten Marken und Hersteller

Zu den wohl bekanntesten Herstellern zählen Schimmel und Yamaha. Und viele Menschen gehen davon aus, dass diese Marken auch die absoluten Top-Instrumente herstellen. Tatsächlich produzieren jedoch Bösendorfer und Steinway die absolute Königsklasse unter den Pianos.

Bösendorfer
Das Unternehmen ist eine der ältesten Pianomanufakturen der Welt. Bösendorfer steht für hervorragende Qualität, Tradition und einen unverwechselbaren, berührenden Klang. Für viele Pianisten ist der Erwerb eines Bösendorf-Flügels ein echter Traum.

Steinway
Auch die Instrumente von Steinway & Sons sind bekannt für einen unverwechselbaren Klang, höchste Qualität und langjährige Tradition. Das Unternehmen wurde von Henry E. Steinway und seinen Söhnen 1853 in New York gegründet. Steinway & Sons‘ Flügel und Klaviere werden in Hamburg und New York gefertigt.

Bechstein
Bechstein ist einer der bekanntesten Hersteller und Händlern hochwertiger Klaviere. Die Marke wurde 1853 durch Carl Bechstein in Berlin gegründet und galt als Hoflieferant von König Friedrich Wilhelm IV.

Yamaha
Die Yamaha Corporation gilt als einer der aufstrebenden Hersteller hochwertiger Klaviere, Keyboards, Synthesizer und E-Pianos. Mit der Übernahme des Traditionsherstellers Bösendorfer hat die Marke einen wichtigen Schritt zum Anschluss an die Königsklasse getan.

Schimmel
1885 eröffnete der Firmengründer des traditionsreichen Flügel- und Klavierbauunternehmens Wilhelm-Schimmel-Pianofortefabrik GmbH Wilhelm Schimmel seine erste Werkstatt in Leipzig. Im August 2009 musste das Unternehmen Insolvenz anmelden. Im Januar 2016 hat nun der chinesische Klavierhersteller Pearl River Piano Group 90 Prozent der Unternehmensanteile übernommen.

Blüthner
Das Leipziger Traditionsunternehmen Blüthner ist einer der ältesten und berühmtesten Familienunternehmen im Bereich Klavierherstellung überhaupt. Die Beatles haben zum Beispiel ihren Song „Let It Be“ auf einem Blüthner-Flügel eingespielt und für den Hindenburg Zeppelin fertigte das Unternehmen einen extra leichter Aluminium-Flügel an.

Kawai
Kawai ist eine japanische Firma, die Flügel, Klaviere und Digitalpianos herstellt. Seit 1927 steht die Marke für erstklassige Flügel und Klaviere. Die Instrumente sind aufgrund der hohen Qualität und des nuancenreichen Klangs weltweit in großen Musikhäusern, bei internationalen Festivals und Wettbewerben sowie an Konservatorien und Musikschulen etabliert.

Klavier alt

Gebrauchtes Klavier kaufen 

Bei solchen Preisen kommt für dich vielleicht aber auch nur ein gebrauchtes Piano in Frage. Gerade in Anbetracht des sofortigen Wertverlusts eines neuen Klaviers von 30 bis 40 Prozent liegt es nahe, bei einer vertrauenswürdigen Quelle, also zum Beispiel bei einem Händler oder in Begleitung eines Fachmanns aus guter privater Hand, ein second-hand Piano zu kaufen.

Ein gebrauchtes Klavier bietet außerdem den Vorteil, dass du es mit keinem oder kaum einem finanziellen Verlust wiederverkaufen kannst, sofern du dein Instrument natürlich pfleglich behandelst.

Du bekommst auf dem Gebrauchtmarkt schöne und akzeptabel spielbare Markeninstrumente zwischen 500 und 1000 Euro. Bist du bereit etwas mehr auszugeben, zwischen 1000 und 2000 Euro, kannst du schon ein hochwertiges und teilweise bereits früher überholtes oder renoviertes Piano finden. Ein frisch renoviertes Markenklavier bekommst du zwischen 2000 und 5000 Euro.

Im Vergleich müsstest du für ein gutes neues Klavier mit einem Einstiegspreisen ab 5000 Euro rechnen

So alt darf ein gebrauchtes Klavier sein
Bis zu welchem Alter ein Klavier noch gut spielbar ist, hängt im Wesentlichen von zwei Faktoren ab: wie hochwertig war das Klavier im Neuzustand und wie wurde es im Laufe der Zeit behandelt. Darunter fällt zum Beispiel auch ein ungeeigneter Standort, also zum Beispiel zu feuchten Räume oder extreme Temperaturschwankungen. Es gibt sehr gut erhaltene Instrumente die 100 Jahre alt sind andererseits ist die Lebensdauer eines extrem billigen Instruments auch bei sachgemäßer Behandlung und normaler Spielfrequenz auf ungefähr 10 Jahre begrenzt.

Heutige Pianos werden seit ca. 100 Jahren so gebaut, die Blütezeit des Klavierbaus war in Westeuropa um die Jahrhundertwende und während des ersten Weltkrieges. Das erklärt auch, warum viele Klaviere auf dem Gebrauchtmarkt zwischen 50 und 100 Jahre alt sind.

Hier kannst du mithilfe des Herstellernamens und der Seriennummer des Instruments das Alter bzw. das Baujahr deines Klaviers bestimmen.

Diese Mängel treten bei alten Klavieren auf
Im Wesentlichen gibt es drei Dinge, die im Laufe der Zeit an einem Klavier zehren, das ist der Verschleiß, die generelle Alterung und schädliche Einflüsse von außen.

Der Verschleiß bezieht sich hauptsächlich auf die sehr kompliziert aufgebauten, beweglichen Bauteile der Mechanik, also der Baugruppe, die dafür zuständig ist, dass die Saiten angeschlagen werden und ein Ton entsteht, wenn du die Tasten drückst. Denn überall da, wo sich gegenseitig berührende Teile in Bewegung sind, entsteht Reibung und dadurch natürlich auch Abrieb und Verschleiß. Die Bauteile der Mechanik besteht aus Holz, Filz, Metall und Leder. Leder kann mit der Zeit brüchig und porös werden, Filz wird gerne von Motten gefressen, außerdem drücken sich mit der Zeit die Saiten in den Filz der Hammerköpfe und es entstehen abdrücke, wodurch die Saiten nicht mehr sauber angeschlagen werden können.

Die Alterung des Klaviers bezieht sich neben dem Filz- und Lederteilen auch auf das Holz. Dieses lebt und verändert sich durch Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsschwankungen –  es dehnt sich aus und zieht sich zusammen. Dadurch können Risse im Holz entstehen. Befinden sich diese im sogenannten Stimmstock, verstimmt sich das Klavier immer wieder in kurzer Zeit, sind Risse im Resonanzbogen, leidet die Klangqualität.

Dazu kommen noch weitere externe Umwelteinflüsse, wie extreme Temperaturschwankungen, zu niedrige oder zu hohe Luftfeuchtigkeit, direkte Sonneneinstrahlung sowie Schäden durch Flüssigkeiten und Mäuse.

Darauf solltest du bei einem gebrauchten Klavier achten
Am besten nimmst du beim Kauf von einer Privatperson immer einen Fachmann mit und lässt den Zustand des Instruments beurteilen. Du kannst natürlich aber auch schon mal vorher einen Blick auf das Klavier wagen und selber entscheiden, ob das Instrument überhaupt in Frage kommen würde. Dabei solltest du auf folgendes achten:

Wie sieht das Piano von außen aus? Oft lässt das schon Rückschlüsse auf die Qualität und Pflege des Klaviers zu.

Schau dir das Klavier von innen an. Riecht es muffig? Siehst du Schimmel? Dann kannst du davon ausgehen, dass das Klavier zumindest eine Zeit lang im Feuchten stand.

Siehst du im Inneren als erstes den Oberdämpfer und nicht die Hammerköpfe? Dann solltest du am besten Abstand von diesem Klavier nehmen, da es nur einige Hersteller wirklich geschafft haben, mit dieser Konstruktion befriedigende Ergebnisse zu erzielen. Außerdem werden die Dämpfungseigenschaften von Oberdämpfer-Klavieren den heutigen Ansprüchen oft nicht mehr gerecht.

Erkennst du auf dem Resonanzboden Risse oder sind Leimfugen auseinander gegangen? Das kann Probleme beim Stimmen machen und den Klang vermindern.

In welchen Zustand befinden sich die Tasten? Ist die Tastatur eben? Wackeln einzelne Tasten oder lassen sie sich unterschiedlich schwer herunterdrücken? Du solltest auf jeden Fall jede Taste einmal gespielt haben.

Probiere auch die Pedale aus und überprüfe, ob sie Geräusche machen und noch funktionieren.

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