EmpfehlungWissenswertes über die Notenschrift

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Die Musik gehört zu unserem täglichen Leben wie die E-Gitarre zur Rockband. Überall auf der Welt entstehen täglich neue Musikstücke, die dank des Notensystems in Schriftform für die Nachwelt erhalten blieben. Doch das war nicht immer so.

Es gab eine Zeit, da verließen sich die Menschen auf ihr Gedächtnis, wenn sie musizierten. Kein Wunder, dass einiges an Liedgut verloren ging oder – da unser Gedächtnis nicht immer zuverlässig arbeitet –  sich völlig veränderte. Es ging sogar soweit, dass manche dachten, Töne würden sich nicht aufschreiben lassen und müssten deshalb im Gedächtnis behalten werden.

Unser Video zur Geschichte der Notenschrift inkl. anschaulicher Beispiele von Noten zum Klavierspielen zeigt euch anschauliche Details:

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Ägypter gelten als Innovatoren der Notenschrift

Wie bei so vielem waren die Ägypter der restlichen Welt einen Schritt voraus. Einiges deutet daraufhin, dass im alten Ägypten schon seit dem dritten Jahrtausend vor Christus eine Form der Notenschrift verwendet wurde, wenn auch gänzlich anders als die, die heute existiert. Ein weiteres Volk unter den üblichen Verdächtigen – nämlich das der Griechen – ist es, das eine völlig entwickelte und von uns entzifferte Notation vorweisen konnte. Jedenfalls soweit wir wissen. Dank der erhaltenen Schriften vieler griechischer Denker und Dichter aus unterschiedlichen Jahrhunderten ist deren Geschichte der Notenlehre ausreichend belegt. So verwendeten die Griechen Buchstaben statt der uns bekannten Noten um die Tonhöhe zu definieren und legten mit darüber geschriebenen Symbolen die Tondauer fest. Trotz der hervorragenden Quellenlage ist gerade einmal eine griechische Komposition in voller Gänze erhalten geblieben.

notengeschichte

Wer in Geschichte aufgepasst hat, kann schon vermuten was kommt. Nachdem die Antike dank der Römer seine Blütezeit erlebte, sorgten Dekadenz und der Einfall von Barbaren für das Ende von Wohlstand und Bildung. Die Römer verschwanden von der Bildfläche, das Mittelalter brach über Europa herein und sämtliche Kenntnisse zur Notenlehre ging verloren – vom restlichen Know How der Römer ganz zu schweigen. Die Notation stand also wieder ganz am Anfang. Zwar gab es auch im Rest der Welt Notationssysteme, doch galten diese eher als Erinnerungsstütze, als loser Richtwert. Der Improvisationscharakter hatte Vorrang vor dem Willen, Musikstücke für die Nachwelt zu erhalten.

Die Kirche als Vorreiter für musikalische Kompositionen

Mit Entstehen der Klostergemeinschaft änderte sich das Gott sei Dank (im wahrsten Sinne des Wortes). Die Psalmodien und Choräle, die von Anfang an auf rituelles Wiederholen anstatt Improvisation setzten, benötigten ein Schema. Etwas, das von jedem beteiligten Musiker verstanden und umgesetzt werden konnte. So entstand im neunten Jahrhundert eine neue Musikschrift, die Neumen verwendete. Das sind graphische Symbole, die über dem Text standen und die Winkbewegungen des Chorleiters verdeutlichten. Leider unterschied sich diese Schrift von Land zu Land und Kloster zu Kloster. Wer also in verschiedenen Klöstern musizierte, musste sich erst einmal das dort geläufige System beibringen. Von einer einheitlichen Musiklehre konnte also immer noch keine Rede sein.

Wer glaubt, dies sei den fleißigen Mönchen ein Dorn im Auge gewesen, der irrt. Zumindest, wenn es darum ging, eine einheitliche Notation zu entwickeln. Erst über Jahrhunderte hinweg gesellten sich Notenschlüssel, Taktarten und Taktstriche hinzu, bis das entstand, was wir heute unter Notation verstehen. Die Geschichte der Notenschrift ist offensichtlich ständigen Veränderungen ausgesetzt und ein Kind der ihr zugrundeliegenden Musik. Neue musikalische Strömungen haben auch heute noch großen Einfluss und verändern die Notation oder lassen gar neue Notenschriften entstehen.

Wie unser Notensystem also in hundert Jahren aussieht, kann niemand sagen. Schon jetzt sind neue Formen der Notation entstanden wie beispielsweise die Grafische Notation, die dem Musiker mehr Raum für Experimente einräumt. Heutzutage wird jedenfalls überwiegend die moderne westliche Notenschrift gelehrt. Das zugehörige Notensystem, bestehend aus fünf Linien und der Noten, dürfte jeder von uns schon einmal gesehen haben.

Wer einmal in die Geschichte der Notation eingetaucht ist, wird feststellen: Sie ist genauso vielseitig wie die ihr zugrundeliegende Musik selbst.

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