Elektronische Musik - Vom Synth-Saurier zum Laptopstudio

Erstellt: 25.06.2010

Autor: Redaktion

Kategorie: Keyboards und Synthie

Inhalt:Basics

Schwierigkeitsgrad:(Leicht)

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TR-909, TB-303, Minimoog, Jupiter-8, Prophet-5, DX7 oder M1 sind für dich eher nichtssagende Kürzel, die genau so gut aus der Raumfahrttechnik stammen könnten? Macht nichts, denn hier kommt ein kleiner historischer Abriss für alle, die Oberheim für eine Wohnstätte für ergraute Kellner und Kurzweil für das Gegenteil von Langeweile halten.

Im letzten Workshop gab es einen kleinen Elektronik-Guide, der die verschiedenen Geräteklassen aufgezählt hat, die für die Erzeugung elektronischer Musik unerlässlich sind, wie z.B. Synthesizer, Workstations, Drummachines, Sampler, Sequenzer, Filter, Effekte oder Grooveboxen. Kein einziger aktueller Musikstil wäre ohne die Entwicklung denkbar, die hinter diesen Gerätegattungen steht. Hier eine kurze Timeline:

Das Trautonium

Die Anfänge

Schon 1919 entwickelte Leon Theremin das nach ihm benannte Theremin, das in etwa so klingt wie eine singende Säge. Und 1930 stellte der Ingenieur Friedrich Trautwein mit dem Trautonium ebenfalls ein erstes elektronisches Musikinstrument vor. Beide Instrumente sind aus heutiger Sicht vielleicht etwas skurril, nichtsdestotrotz haben sie nichts von ihrer Faszination verloren. Das bestätigt sich darin, dass z.B. das Theremin auch heute noch technisch überarbeitet von verschiedenen Herstellern angeboten wird, u.a. auch von der Firma Moog.

Moog & Co

In den 50er-Jahren entwickelte der Amerikaner Robert Moog Bauteile für die ersten Synthesizer. Das waren damals noch umständlich zu bedienende raumfüllende Ungetüme. 1964 stellte er dann einen ersten kompakten Synthesizer vor, der über eine Tastatur gespielt werden konnte. Berühmt wurde das Instrument durch die Platte Switched on Bach von Wendy Carlos. Anfang der 70er-Jahre kam dann der Kult-Synthesizer schlechthin, der immer noch heiß begehrte Minimoog, auf den Markt. Andere Pioniere folgten dem Beispiel, der ARP 2600 oder der Sequential Circuits Prophet-5 sind weitere Klassiker, und Tom Oberheim baute vom zweistimmigen Two-Voice bis zum achtstimmigen OB-8 Synths, die gerade für ihre fetten Synthbrass-Sounds oder weichen „Teppiche“ (Pads) berühmt wurden. Polyfone – also mehrstimmig spielbare – Synthesizer waren damals noch rar, ansonsten war vieles nur einstimmig. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen!

Roland Jupiter-8

Made in Japan

Ende der 70er-Jahre kamen die Japaner auf den Synthesizergeschmack und überrundeten die Amerikaner auch sogleich. Firmen wie Korg, Yamaha oder Roland übernahmen den Markt. Roland schuf neben der achtstimmigen Synthesizer-Legende Jupiter-8 gleich mehrere Klassiker, die die heutigen Musikstile nachhaltig beeinflusst haben. Der Drumcomputer TR-909 etwa ist ein Synonym für Techno, kein Dancetitel kommt ohne die prägnante Bassdrum oder die Open Hi-Hat dieser Maschine aus. Die TR-808 ist neben der amerikanischen Linndrum ebenfalls wegen ihres eigenständigen analogen Sounds gerade in R’n’B- und HipHop-Kreisen sehr beliebt. Und wer auf Acid-Musik steht, der wird schon unendlich oft die sägenden und verquirlten Sequenzen der

Roland TR-909

TB-303-Bassline gehört haben, ohne die es diesen Musikstil gar nicht geben würde. Keine Frage, Roland hat einige stilbildende Instrumente geschaffen. Kurioserweise war dies gar nicht unbedingt von den Herstellern beabsichtigt, denn vielmehr sollten z.B. die Drumcomputer ja mit dem damaligen Stand der Technik reale Drums simulieren.

Linndrum

Digital Lifestyle

Yamaha revolutionierte 1983 mit dem ersten erschwinglichen digitalen Synthesizer, dem DX 7, den Musikmarkt. Heute sind davon noch immer die glasigen E-Piano-Sounds geblieben, die man oft in sanften Balladen hört. Und Korg brachte 1988 mit der M1 die erste Workstation heraus und schuf damit eine komplett neue Gerätegattung.

Ebenfalls in den 80er-Jahren entstand unter der Federführung von Roland das „MIDI-Interface“, wodurch unterschiedliche Instrumente verschiedener Hersteller miteinander kommunizieren konnten. 1983 wurde die Schnittstelle eingeführt, ohne die heute fast nichts geht, auch wenn die traditionellen In-, Out- und Thru-Buchsen langsam USB-Anschlüssen weichen müssen. Ohne das MIDI-Interface würde es sicherlich Sequenzerpogramme wie Cubase oder Logic nicht in dieser Form geben. Apropos: Als Karl Steinberg (wieder so jemand, der seine Firma nach seinem Namen benannt hat) 1984 mit „Pro 16“ für den Commodore C64 und mit „Twenty Four“ für den Atari ST die Vorläufer von Cubase vorgestellt hat, konnte noch niemand ahnen, was dies für eine Revolution darstellen würde, die bis heute anhält und inzwischen jedem ein Tonstudio im Wohnzimmer ermöglicht.

Korg M1

Sampler & Software

Ebenfalls in den 80er-Jahren kam Sampling auf, eine Technik, die schon in den 50ern mit dem Mellotron einen Vorläufer hatte. Die damaligen RAM-Größen von nur einigen hundert Kilobyte für astronomische Preise sind in heutigen Giga- und Terabyte-Zeiten kaum noch vorstellbar. Lange Jahre war die Firma Akai Sampler-Vorreiter, dicht gefolgt von EMU-Systems. Mit dem Aufkommen der ersten Softwaresampler wie dem in Logic enthaltenen EXS24 ging jedoch die Hardware langsam unter – die Computertechnologie hatte sie eingeholt.

Mittlerweile gibt es auch von den meisten Synthesizer-Klassikern Software-Emulationen, die als Plug-ins auf dem Rechner laufen und über ein Masterkeyboard angesteuert werden.

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass ohne die Entwicklung der Synthesizer und der damit einhergehenden Entwicklung von Drum-computern, Workstations, Grooveboxen, Samplern etc. Musik in ihrer heutigen Form undenkbar wäre, und zwar stilübergreifend. Egal ob HipHop, R’n’B, Pop, Dance oder Techno: Jeder nutzt die elektronische Hard- und Software, wenn es darum geht, musikalische Ideen kreativ umzusetzen.

Ach ja, Kurzweil habe ich noch vergessen: Der Firmenname basiert natürlich auch wieder auf dem Nachnamen des Gründers: Raymond Kurzweil legte 1983 den Grundstein für sein Unternehmen und machte sich durch sehr authentische Nachbildungen akustischer Instrumente einen Namen. Berühmt – und heute immer noch beliebt – ist vor allem das „Kurzweil Piano“.