Routing I
ODER: Über die grundsätzlichen Möglichkeiten, Effekte in anderes Equipment zu integrieren.
Routing-Varianten
Beim Einsatz von Effekten – vor allem bei deren Integration in verschiedene Systeme – ist einiges zu beachten, denn je nach Anwendung gibt es hier große Unterschiede. Das Verschalten eines Effektgerätes mit der Außenwelt wird "Routing" genannt.
Effekte können auf verschiedene Weise angeschlossen werden.
Die einfache Variante – der direkte Weg:
Der Effekt wird in den Signalweg zwischen Instrument und Verstärker geschaltet, d.h., man verbindet den bzw. die Audio-Ausgänge des Instruments mit den Eingängen des Effekt-Geräts. Von den Audio-Ausgängen des Effekts geht's dann weiter an die Eingänge des Verstärkers.
... den Effekt einschleifen:
Darüber hinaus kann es z.B. bei Gitarren sinnvoll sein, die Effekt-Einheit über so genannte Einschleifwege in den Signalweg des angeschlossenen Amps zu integrieren, was klangliche Vorteile mit sich bringt und bestimmte Einstellungen am Effektgerät voraussetzt. Mischpulte bieten zum Einschleifen Effekt-Inserts pro Kanal.
... mehrere Instrumente "teilen" sich ein Effektgerät:
Sollen mehrere Effektgeräte für ein oder gar verschiedene Instrumente verfügbar sein, so wird ein Mischpult gebraucht, das neben den Instrumenten-Eingangskanälen auch Anschlussmöglichkeiten für die Effektgeräte bietet. Mischpulte erlauben in aller Regel ein relativ variables Routing.
Routing II
ODER: Effekte mit dem Mischpult verbinden, wie Effekt-Send und -Returns funktionieren und wie man sie mit dem Effektgerät verkabelt.
Vom Mischpult in den Signalprozessor
Mischpulte bieten spezielle Wege zur Speisung von Effektgeräten, luxuriöser ausgestattete Pulte haben davon acht oder mehr, man spricht hier von Effekt- bzw. Aux-Bussen. Jeder Aux-Bus fasst die Signalanteile zusammen, die an einen Signalprozessor weitergegeben werden sollen. So braucht man nur einen einzigen Weg, um die Signale von vielen Kanälen mit jeweils unterschiedlichem Anteil in den Hall zu schicken. Die Eingangskanäle sind zu diesem Zweck mit Aux-Send-Reglern ausgestattet. Diese bestimmen die Lautstärke, mit der das Signal an das Effektgerät herangeführt wird.
Besitzt ein Mischpult mehrere Aux-Wege, so lässt sich z.B. an den ersten ein Hallgerät, an den zweiten ein Delay etc. anschließen. In diesem Falle wäre es auch möglich, ein Instrument mit zwei oder mehreren Effektgeräten gleichzeitig zu verbinden.
Um das Signal vom Mischpult in den Signalprozessor zu bekommen, ist der Aux-Weg der naheliegendste und bequemste Weg. Nahezu alle Mischpulte und Multitracker sind mit einem oder mehreren solcher Aux-Wege ausgestattet, die auch als Ausspiel-, Hilfs- oder Effektwege bezeichnet werden.
Vom Signalprozessor zurück ins Mischpult
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Im Normalfall gelangt das Signal über die Aux- oder Effect-Return-Buchsen zurück ins Mischpult (engl. Return = zurück). | |
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Bietet der Aux-Return keine Klangregelung oder es stehen nicht genug Returns zur Verfügung, kann man das Effektsignal alternativ über Eingangskanäle ins Pult zurückführen.
Das Effektsignal kann über einen anderen Aux-Weg wieder in einen anderen Effekt geschickt werden, z.B.um ein Delay-Signal zu verhallen. | |
Bei der Aux-Rückführung über Kanäle kann es schnell zu unangenehmen Rückkopplungen kommen. Der Grund: Wenn der Aux-Send des Effekt-Eingangs in dem Kanal, der zur Rückführung des entsprechenden Effekt-Signals genutzt wird, wiederum aufgedreht ist, bildet der Signalweg zwischen Kanal und Effektgerät eine Schleife. Im schlimmsten Fall können dadurch sogar Geräte beschädigt oder die Hochtöner in den Monitorboxen gekillt werden. Um das zu verhindern, lasst den entsprechenden Aux-Send-Regler des Kanals, den ihr als Effekt-Rückweg benutzt, unbedingt zugedreht.
Routing III
ODER: Pre-EQ, Post-Fader, Pre-Fader etc. Mischpulte bieten mehrere so genannte Abgriffpunkte, von denen das Original-Signal an die Effekte geleitet wird. Daraus ergeben sich sehr unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten und Wirkungsweisen der Effekte.
Send-Punkte
Es gibt verschiedene Punkte innerhalb des Signalweges, an denen das Aux-Send-Signal abgriffen werden kann. Die Auswahl ist hier aber meist nicht frei, sondern im Mischpult festgelegt. In der Regel gibt es im Kanalzug entsprechende Umschalter. Es gibt hier drei wichtige Alternativen:
| Pre EQ/Pre Fader
Das Signal wird hinter dem Eingangsverstärker, aber vor der Klangregelung und dem Fader (Lautstärkeregelung) abgegriffen. Das über den Aux gesendete Signal ist somit klanglich unbearbeitet. | |
| Post EQ/Pre Fader Das Aux-Send-Signal ist im Pegel ebenfalls unabhängig vom Kanalfader, wird jedoch von der Klangregelung beeinflusst. Erst das durch den EQ klanglich bearbeitete Signal gelangt zum Effektgerät. | |
| Post EQ/Post Fader
Das Aux-Signal verlässt den Eingangskanal erst, nachdem es Klangregelung und Kanalfader durchlaufen hat. Beim Herabregeln des Kanal-Faders wird der Aux-Send-Pegel quasi automatisch mit abgesenkt. So verschwindet das Signal bei komplett heruntergezogenem Kanalfader völlig aus der Mischung und ist auf dem Aux-Return-Weg nicht mehr zu hören. | |
Routing IV
ODER: Einbinden von Hard- /Software-Effekten in eine rechnerbasierte Aufnahmeumgebung.
Effekte und Software-Mischpulte
Natürlich bieten auch Software-Mischpulte die Möglichkeit, Effektgeräte einzubinden. Das Routing entspricht dort dem eines Hardware-Mixers, denn üblicherweise ist der Aufbau und die Signalführung eines Mischpultfensters an einen Hardware-Mixer angelehnt. Allerdings gibt es zwei wichtige Alternativen, die beide in Verbindung mit einem rechnerbasierten Aufnahmesystem genutzt werden können:
Effekt Plug-Ins
Die naheliegendste Möglichkeit, den Mixer eines rechnerbasierten Aufnahmesystems mit Effekten zu versehen, ist die Verwendung von Plug-Ins. Sie lassen sich einfach in der Mixeroberfläche aufrufen und werden, entsprechend der verschiedenen Routing-Varianten, mit Signalen versorgt – allerdings auf rein digitalem Weg innerhalb des Computers und seiner Host-Software.
Hardware-Effekte
Auch wenn heute die Qualität der Effekt Plug-Ins im Allgemeinen kaum Wünsche offen lässt, bietet es sich doch hin und wieder an, auf bestimmte Hardware-Effekte zurückzugreifen. Gerade professionelle Hallgeräte und hochwertige analoge Signalprozessoren werden bei aufwändigeren Produktionen dank ihrer kompromisslosen Klangqualität gerne in Verbindung mit rechnerbasierten Aufnahmesystemen genutzt.
Das Hardware-Effektgerät wird, je nach Ausstattung, mit den analogen oder digitalen Anschlüssen der Audiokarte verbunden. Um das Signal vom Software-Mixer aus dem Rechner hinaus, durch das Effektgerät und wieder zurück in den Rechner zu führen, muss man, je nach verwendetem Routing, in der Mixeroberfläche die entsprechenden Ein- und Ausgänge der Soundkarte anwählen. Die entstehende Latenz muss dabei ggf. ausgeglichen werden.
Einige aktuelle Effektgeräte (etwa das Lexicon PCM 96) lassen sich über die Firewire-Schnittstelle direkt mit dem Rechner verbinden. Eine zusätzliche Audioverkabelung ist nicht notwendig, der externe Effekt wird von der Host-Software wie ein Plug-In eingebunden.
Eine Mischform stellen Geräte wie die Lexicon MX Serie oder das TC Electronic 350 dar: Sie werden audioseitig in konventioneller Weise analog oder digital mit der Soundkarte verbunden, die Bedienung kann allerdings via USB-Anschluss in Form einer Plug-In Oberfläche im Rechner erfolgen.
Inserts
ODER: Was man über Effekt-Inserts von Mischpulten wissen sollte.
Effekte integrieren über Inserts
Effektgeräte lassen sich auch über so genannte Inserts einschleifen, über die allerdings nicht alle Mischpulte verfügen. Einschleifen bedeutet im Gegensatz zum Aux-Weg, dass der Signalfluss im Eingangskanal noch vor der Klangregelung unterbrochen und das Signal zunächst in den Signalprozessor geschickt wird. Das Effekt-Signal wird dann wiederum über die Insert-Buchse in den Kanal zurückgeführt. Dazu nimmt man ein spezielles Insert-Kabel.
Sinnvoll ist ein derartiges Routing dann, wenn man einen Signalprozessor nur an ein bestimmtes Instrument anschließen möchte. Geräte, die sich für das Einschleifen in dieser Form anbieten, sind zum einen spezielle Effektgeräte wie Phaser oder Flanger. Die klassische Anwendung von Inserts betrifft aber Geräte zur Dynamikbearbeitung wie Kompressoren oder Noisegates, da man hier in der Regel kein Direktsignal braucht.
Durch den Gebrauch der Insert-Buchse wird der Signalweg des Kanals aufgetrennt. Wird das Signal nicht zurückgeführt, bleibt der Kanal stumm. Mit einem kleinen Schaltungstrick kann man am Insert-Punkt ein Send-Signal abgreifen, ohne den Signalfluss zu unterbrechen.
Summen-Inserts
Insert-Buchsen finden sich bei vielen Mischpulten nicht nur in den Eingangskanälen, sondern auch in den Subgruppen und in der Summenschiene. Die Inserts in den Subgruppen ermöglichen es, recht einfach ganze Instrumentengruppen (z. B. Schlagzeug; Gesang, Instrumente etc.) mit Effekten zu versehen.
Die Inserts der Summenschiene werden in erster Linie dazu eingesetzt, Pegelbegrenzer (Peak Limiter), Kompressoren oder psychoakustische Prozessoren (Exciter) einzuschleifen.
Tuning_FX
ODER: Nur korrekt eingepegelte Effekte können ihr volles Potential entwickeln ...
Was man beim Aussteuern von Effektgeräten beachten sollte
Die Anpassung der Aus- und Eingänge von Mischpult- und Effektgerät ist eine beliebte Fehlerquelle. Steuert man z.B. mit einem -10-dB-Ausgang einen 0-dB-Eingang an, verschlechtert sich der Fremdspannungsabstand, und das Rauschen nimmt zu.
Verbindet man umgekehrt einen 0-dB-Ausgang mit einen -10-dB-Eingang, verzerrt das Ganze gerne.
Vor dem Anschließen der Effektgeräte sollte man also gegebenenfalls einen Blick ins Handbuch oder auf die Beschriftung der Buchsen werfen. Fast immer lassen sich die Pegel von Aus- und Eingängen mit Umschaltern auf der Rückseite anpassen.
Digitale Prozessoren
Anpassungsprobleme entfallen natürlich, wenn die Signalprozessoren bereits in das Pult integriert sind. Die aktuellen digitalen Pulte zeigen dabei, wo es langgeht. Die Verkabelung entfällt, hier muss man nur noch den gewünschten Effekt auf den entsprechenden Weg routen. Einmal konfigurierte Routings können gespeichert und bei Bedarf bequem per Knopfdruck abgerufen werden.
Auch die Signalqualität ist in diesem Falle besser, da sich das Ganze auf digitaler Ebene abspielt. Dadurch entfällt die zusätzliche Wandlung zwischen analog und digital am Effekt-Eingang bzw. zwischen digital und analog am Effekt-Ausgang. Außerdem gibt es keine Signalstufen mit Bauteilen, Kabeln und ähnlichen potentiellen Störfaktoren. Gleiches gilt natürlich auch für Software-Signalprozessoren, die in Form von Plug-Ins in computergestützte Harddiskrecordingsysteme integriert werden.
Effektanteil bestimmen
In den meisten Fällen ist es sinnvoll, wenn man die Möglichkeit hat, das Verhältnis zwischen Originalsignal und Effektsignal zu bestimmen. Nur so lassen sich Effekte nuanciert einsetzen. Die meisten Effektgeräte verfügen über eine Regelmöglichkeit ("Mix" oder "Balance"), über die man den Effektanteil beliebig zum Originalsignal mischen kann (entweder insgesamt oder je Effektprogramm).
Steuert man ein Effektgerät über die Aux-Wege eines Mischpults an, dann ist es empfehlenswert, vom Effektgerät ausschließlich das Effektsignal zu erhalten, da das Originalsignal ja bereits am Mischpultkanal anliegt. Man sollte den Effekt-Mix-Regler des Effektgerätes in diesem Falle voll auf Effekt ("Wet") drehen.
Die Mischung "Original" und "Effekt" erfolgt dann am Mischpult selbst:
- über die Stellung der Aux-Send- bzw. Aux-Send-Summen-Regler in der Master-Sektion des Pultes
- über die Aux-Return-Regler oder aber über den Fader eines Mischpultkanals, falls man den Effekt-Return auf einen Mischpultkanal gelegt hat.
Verkabelung von Mono- und Stereo-Effekten
Bei den Signalprozessoren muss man nicht nur zwischen Mono- und Stereo-Effekten unterscheiden, sondern es gibt auch Mischformen, die je nach Ausführung ein etwas unterschiedliches Routing erfordern.
Mono-In/Out: Der simple Weg - hier verbinden wir den Mono-Ausgang des Instruments/Mischpult-Kanals mit der Eingangsbuchse des Effektgeräts und verbinden dann den Mono-Ausgang des Effektgeräts mit der Return-Buchse am Mischpult.
Mono-In/Stereo-Out: Komplizierter wird es, wenn das Effektgerät aus einem ankommenden Mono-Signal ein Stereo-Signal zaubert. Hier heißt es dann 1 x (= mono) hinein und 2 x (= stereo) heraus. Für den Anschluss dieser Effektgeräte bieten z.B. die meisten Mischpulte Stereo-Aux-Returns an, über die man den linken und den rechten Stereo-Kanal des Effekt-Signals zurückführen kann – ansonsten hilft nur die Rückführung über Mischpultkanäle, die man im Panorama entsprechend einstellt.
Stereo-In/Out: Hier gilt es zu unterscheiden, ob Effektgeräte für die eingesetzten Effekt-Algorithmen nur die Mono-Summe aus den beiden Eingangssignalen verwenden oder ob es sich hier um "True-Stereo-Algorithmen" handelt, die die beiden Stereo-Anteile diskret bearbeiten.
Der Vorteil letzterer Variante liegt darin, dass z.B. bei einem "echten" Stereo-Hall, die Instrumente, die sich links oder rechts im Panorama befinden, auch im Hall ihre Position behalten, während bei Mono-In/Stereo-Out-Effekten alle Instrumente – unabhängig von ihrer Anordnung im Stereobild – über die gesamte Basisbreite des Halls verteilt werden.
Will man die Vorteile dieser True-Stereo-Algorithmen wirklich ausnutzen, sollte man dem Effektgerät auch ein echtes Stereo-Signal zuführen. Dazu opfert man in der Regel einfach zwei Aux-Wege. Hat man auf Mischpult-Kanal 10 z.B. den linken Stereo-Kanal eines zu verhallenden Signals, und auf Kanal 11 den rechten, dreht man in Kanal 10 z. B. Aux-Weg 1 auf, in Kanal 11 den Aux-Weg 2. Die Aux-Send-Summen-Ausgänge 1 und 2 des Mischpultes verbindet man dann mit den beiden Effekt-Eingängen des True-Stereo-Effektgerätes.
GLOSSAR
DAC
Digital-Analog-Converter. Wandelt ein digitales Signal in ein analoges um.
Plug-In
Plug-Ins sind kleine Programme, die die Fähigkeiten des Host-Programms ergänzen. Dies geschieht mit Hilfe einer – ebenfalls in Software realisierten – Schnittstelle, über die das Plug-In in das Audio-System des Host-Programms eingebunden wird.
Man unterscheidet zwischen Echtzeit-fähigen und offline arbeitenden Plug-Ins. Die Plug-Ins für die VST- und AU-Schnittstellen (am weitesten verbreitet) arbeiten in Echtzeit. Offline-Plug-Ins sind dank gestiegener Rechenleistung selten geworden. Sie arbeiten mit einer Vorschau: Nur ein kleiner Abschnitt des zu bearbeitenden Materials kann mit der Effekt-Bearbeitung abgehört werden, um die richtigen Einstellungen zu finden, dann muss der Effekt in das Audio-Material eingerechnet werden.