The Sword - Metallicas Lieblingsband

Erstellt: 15.06.2009

Interessant für: Bass , Drums , Gitarre , Vocals

Hierzulande sind The Sword zwar noch nicht übermäßig bekannt, aber in ihrer Heimat USA zieht die im Jahr 2003 in Austin, Texas gegründete Doom-Metal-Band eine treue und frenetische Fangemeinde hinter sich her. Zwei Alben haben die vier Musiker bislang veröffentlicht: Vor drei Jahren erschien ihr Erstlingswerk Age Of Winters, gefüllt mit schweren Grooves und dunklen Gitarrenriffs, im vergangenen Frühjahr folgte das etwas vielschichtiger klingende Gods Of The Earth. Mit der Zusage, als Support von Metallica die größten Hallen in Amerika und Europa spielen zu können, eröffnen sich seit Oktober 2008 riesige Perspektiven für die noch recht junge Truppe.

Im Mai 2009 gab es deshalb im Rahmen der hiesigen Metallica-Shows gleich acht Mal die Gelegenheit, The Sword auch in Deutschland auf der Bühne zu erleben. Wir nutzten im Vorfeld der Konzerte die Gelegenheit, um Schlagzeuger Trivett Wingo über die Anfänge der Bandgeschichte zu befragen. Aus seinen Antworten können vor allem junge Musiker viel über die ersten mühsamen Schritte einer Rockgruppe lernen, die neben Talent und handwerklicher Kompetenz vor allem ihren Enthusiasmus und Durchhaltewillen in die Waagschale geworfen und sich damit letztendlich durchgesetzt hat.

Trivett, du gehörst zur Erstbesetzung von The Sword. Kannst du mal kurz beschreiben, wie alles losging?

Gerne. JD (Cronise, Gitarrist der Band, Anm. d. Red.) und ich hatten bereits vorher eine gemeinsame Band in Virginia, an der amerikanischen Ostküste. Die Gruppe existierte von etwa 1997 bis 2000, dann brach sie auseinander und die Musiker gingen nach Texas. Dort entwickelte JD die Idee zu The Sword. Er schrieb die ersten vier oder fünf Songs im Alleingang, suchte sich zunächst zwei weitere Musiker, und dann fragten sie mich, ob ich nach Austin kommen und bei The Sword mitmachen möchte.

Wie war die Stimmung innerhalb einer Band, in der sich zwei Musiker immerhin seit Jahren kannten, die beiden anderen aber völlig neu waren?

Weil JD und ich uns bereits sehr gut kannten, klang für mich alles von Beginn an sehr natürlich und harmonisch. Unser erster Bassist war allerdings von einer anderen Band ausgeliehen und nahm die Sache leider nicht sonderlich ernst. Er lernte die Stücke nur oberflächlich und war auch bei den Proben nur mit halbem Herzen dabei. Wir drei anderen dagegen wollten The Sword ernsthaft vorantreiben, also trennten wir uns wieder von ihm und suchten uns einen neuen Bassisten.

Um die Sache ins Rollen zu bringen, habt ihr anfangs also einfach nur die Ideen eines einzelnen Songschreibers umgesetzt?

Ja, bei den ersten Stücken war es noch so. JD hatte auf der Grundlage seiner Ideen ein Demo-Tape aufgenommen: Er hatte sämtliche Instrumente selbst eingespielt und lediglich eine Drum-Machine fürs Schlagzeug verwendet. Insofern waren die ersten Stücke bereits ziemlich konkret. Bei den Proben haben wir noch ein paar Details geändert, etwas am Arrangement gefeilt und eigene Ideen beigesteuert. Genauso arbeiten wir auch heute noch: JD liefert die Grundidee, wir diskutieren diese mit ihm und nehmen dann gezielt kleinere Änderungen vor.

Wie lange dauerte es nach der ersten Probe, bis The Sword zum ersten Mal auf die Bühne gehen konnten?

Unsere erste Probe fand im Januar 2004 statt, und bereits im März des gleichen Jahres hatten wir unser erstes Konzert. Von Beginn an war klar, dass wir so schnell wie möglich auf die Bühne wollten. JD wartete bereits ungeduldig darauf, seine Songs endlich der Öffentlichkeit vorzustellen. Für ihn war ich das letzte Puzzleteil seiner Band, damit er endlich wieder live spielen konnte.

The Sword

Hattet ihr damals bereits ein ganz besonderes Ziel im Auge? Etwa einen Plattenvertrag, eine Amerika-Tournee?

So weit haben wir damals noch gar nicht gedacht. Unser vorrangiges Ziel war es, so schnell und so häufig wie möglich auf der Bühne zu stehen. Wir wollten die besten Songs schreiben, die uns einfallen, und diese so häufig wie möglich vor Publikum spielen, alles andere war uns damals egal.

Das heißt: Ein Plattenvertag kam euch zunächst gar nicht in den Sinn?

Ehrlich gesagt: nein. Heute denke ich: Der Plattenvertrag war eine natürliche Evolution der Bandgeschichte. Wir spielten anfangs jeden nur erdenklichen Club in Austin, aber wir wussten auch, dass man so etwas nur eine gewisse Zeit lang machen kann, bevor die Leute die Nase von einem voll haben. Wir wussten, dass wir auch in New York, in San Francisco oder Atlanta spielen mussten, und dafür braucht man nun einmal einen Plattenvertrag, damit man die Musik dort auch kaufen kann und Musikfans auf einen aufmerksam werden.

Ihr habt gleich von Beginn an ausgiebig getourt. So etwas kostet normalerweise eine Menge Geld, vor allem, wenn man noch keine großen Gagen bekommt. Wie habt ihr all das finanziert?

Nun, hin und wieder bekamen wir ja kleine Gagen. Das waren dann allerdings meistens nur so 100 Dollar, was natürlich viel zu wenig war, um all unsere Kosten zu decken. Deswegen haben wir bei unserer allerersten Tour eine Menge Geld verloren. Meine Kreditkarte war ständig bis an ihre Grenzen belastet, außerdem lieh ich mir Geld bei Freunden. Aber irgendwann änderte sich zum Glück die Situation. Wir wurden bekannter, bekamen höhere Gagen und konnten einen Teil unserer Schulden zurückzahlen. Der Beginn einer Rockband kann wirklich sehr mühsam sein. Die Musiker sind fast immer bettelarm, es sei denn, sie haben reiche Eltern oder kommen aus Kanada, wo sie vom Staat unterstützt werden.

Insofern kam euch der Plattenvertrag natürlich gerade recht, oder?

Ja, natürlich, das war schon eine große Sache für uns. Ich hatte ja noch nie zuvor auf einem Album gespielt und konnte es kaum glauben, als ich unsere Debütscheibe zum ersten Mal in den Händen hielt. Für uns als Band war es riesig: Überall in Amerika konnte man plötzlich das Album kaufen, die Plattenfirma bezahlte für Werbung und für einen Videoclip, der auf MTV lief. Das alles veränderte unser Leben gründlich. Ich denke, nicht jedes Label unterstützt seine Künstler so stark wie unseres.

Wie hoch waren die Verkaufszahlen des Debütalbums?

Ich war total überrascht: Wir verkauften von Age Of Winters mehr als 70.000 Exemplare, eine kleine Sensation.

Inwieweit veränderte das Album die Konzertsituation für euch?

Vieles wurde auf einmal deutlich einfacher. Plötzlich kannten die Leute unsere Songs, wir spielten nicht mehr vor fremdem Publikum, sondern vor Fans, die ganz gezielt wegen uns gekommen waren.

Bei 70.000 verkauften Exemplaren vom Debüt gab es doch sicherlich auch Anregungen der Plattenfirma, wie man diese Zahl durch ein gezieltes Songwriting noch deutlich steigern kann, oder nicht?

Nein, die Plattenfirma hat uns immer unser Ding machen lassen. Wir besitzen die komplette künstlerische Freiheit. Natürlich machte das Label viel Werbung und schob so manche Marketing-Aktion an. Anfangs wollten wir ja keinerlei Interviews geben, sondern einfach nur Musik machen.

The Sword

Keinerlei Interviews? Das lässt sich sicherlich keine Plattenfirma bieten, oder?

Na ja, keinerlei Interviews stimmt auch nicht so ganz. Wir weigerten uns lediglich, bestimmte Promotion-Aktionen mitzumachen. Wir lehnten es beispielsweise ab, für Uhrenhersteller oder Autohäuser zu spielen, egal, ob sie uns 10.000 Dollar oder noch mehr dafür boten. Wir sagten: „Wir verkaufen weder Uhren noch Autos, also machen wir dafür auch keine Werbung.“ Es gab auch Anfragen von Journalisten, die nach Austin zu uns in den Proberaum kommen und die Band von innen darstellen wollten. Wir haben dies abgelehnt und gesagt: „In Austin wollen wir niemanden sehen, wir sind weder käuflich, noch gibt es Einblicke in unser Privatleben.“ Heute sehen wir das gelassener, wir verhalten uns der Presse gegenüber freundlicher, aber damals waren wir ziemlich abweisend.

Inwieweit stellt euer zweites Album Gods Of The Earth eine Weiterentwicklung dar?

Zunächst finde ich, dass die Songs auf Gods Of The Earth komplexer klingen als die auf Age Of Winters. Aber bei dieser Scheibe war es ziemlich hart, all unsere Ideen umzusetzen. Das Album ist in kürzester Zeit entstanden, wir standen unter großem Zeitdruck und konnten nur fünf Tage im Studio verbringen. Ich denke, dass wir dabei einige Fehler begangen haben, weil es mental unheimlich brutal war, in so kurzer Zeit alles abzuarbeiten. Ich finde, man braucht für die Entstehung einer Scheibe ausreichend Zeit und Ruhe. Wir haben aus dieser Scheibe viel gelernt, was uns beim nächsten Mal hoffentlich hilft.

Hat das neue Album denn eurer Karriere etwa geschadet?

Nein, ganz im Gegenteil, es war für uns sogar sehr förderlich. Denn wir konnten feststellen, dass der Markt auf das Album wartete. Die Leute, die unser Debüt gekauft hatten, scharrten schon mit den Hufen und konnten es kaum abwarten, bis das neue Album endlich in den Läden stand.

Und dann kam der Ritterschlag: Seit letztem Jahr tourt ihr mit Metallica. Wie kam der Kontakt zustande?

Lars Ulrich, der Schlagzeuger von Metallica, bekam unsere CD von einem Freund, der ihm gesagt hatte: „Hör dir das mal an, das wird dir gefallen!“ Angeblich soll er anschließend gesagt haben: „Wow, das ist ja der absolute Killer!“ Jedenfalls bezeichnet er sich seitdem als großer Fan von The Sword. Bei einer unserer Shows in San Francisco kam er persönlich vorbei, stellte sich ganz höflich vor und bot uns an, mit Metallica zu touren. Wir waren natürlich total aus dem Häuschen. Alles nahm, wie von Lars versprochen, seinen Gang: Wir spielten zunächst mit Metallica in Skandinavien und Osteuropa und im Mai noch einmal in Westeuropa.

Werdet ihr während der Tour gut behandelt?

Metallica behandeln uns großartig. Es sind wirklich tolle, coole Jungs, die ausgesprochen freundlich zu uns sind. Metallica behandeln The Sword mit großem Respekt, wir fühlen uns wie Gäste, die von den Musikern zu sich nach Hause eingeladen wurden. Sie helfen uns, wo immer sie können. Für mich sind sie die größte Metal-Band aller Zeiten, auch menschlich.

Und passt die Kombination aus Metallica und The Sword auch musikalisch? Wie reagiert das Publikum auf eure Musik?

Nun, Metallica sind zwar eine Metal-Band, aber die Grundlage ihrer Musik ist letztendlich Rock. Was ich damit sagen will: Metallica singen, sie schreien nicht nur. Sie spielen zwar harte Musik und ihre Riffs sind kraftvoll wie Bulldozer, aber ihre Gesänge sind melodisch. Insofern ähneln ihre Songs durchaus dem Typus unserer Kompositionen. Auch The Sword machen Rockmusik, auch wir singen anstatt nur zu schreien. Andere neue Bands hacken ganz hektisch in ihre Gitarren und schreien dazu wie am Spieß. Ich bin zwar kein alter Mann, sondern gerade erst 30, aber ich mag dieses Geschrei nicht. Geschrei nervt, außer es stammt von deinem eigenen Baby. Kurzum: Metallica und The Sword stammen letztendlich aus dem gleichen Genre, deswegen reagiert das Publikum auch so positiv auf unsere Show.

Text: Matthias Mineur, Fotos: Jack Thompson