PANIK bei Nevada Tan?

Erstellt: 15.02.2008

Interessant für: Bass , DJ , Drums , Gitarre , Vocals

Das kann passieren: Noch gar nicht so lange im Musikbusiness unterwegs, da lernten die Jungs von Nevada Tan auch schon die Schattenseiten der Branche kennen: Auseinandersetzungen mit den Produzenten und Managern, Rechtsanwälte und Gerichtsprozesse. Plötzlich zieht man die Reißleine: Die Band benennt sich um, und aus Nevada Tan wird PANIK. Scheinbar die einzige Möglichkeit, dem Cut zu entkommen und als Band weiterzumachen. Wir sprachen darüber mit Franky Ziegler, dem Sänger von Panik, der allerdings schon wieder guter Dinge war und sehr positiv in die Zukunft schaute.

Einen bereits gut eingeführten Bandnamen zu wechseln, ist sicherlich nicht unproblematisch. War das unvermeidbar?

Es gab ernsthafte Probleme mit dem Management und den Produzenten. Die Zusammenarbeit war schon länger etwas schwierig geworden, weil wir merkten, dass wir in unterschiedliche Richtungen arbeiteten. Man wollte uns in eine Schublade stecken, wo wir nicht hingehören und auch nicht hin wollten.

Es gab aber auch vertragliche Probleme. Wart ihr da ein wenig zu gutgläubig?

Wir wollten damals eigentlich den Vertrag prüfen lassen. Aber da hat man uns gesagt, das würde zu lange dauern, und Universal würde das Angebot wahrscheinlich wieder zurücknehmen. Wir wollten uns die Chance einfach nicht entgehen lassen und haben dann nachgegeben. Wie das so ist, wenn man jung ist …

Als wir das später nachgeholt haben, sagten uns die Anwälte, dass der Vertrag „sittenwidrig“ sei. Universal hatte uns das dann auch bestätigt. Da kam halt der Cut.

Ein weiteres Problem war, dass die beiden Vertragspartner Manager und Produzenten zugleich waren. Da gab es überhaupt keine Kontrollfunktion. Bei Vertragsabschluss mit Universal haben die sich einen dicken Vorschuss geholt, von dem wir nichts wussten und dementsprechend auch nichts gesehen haben. Richtig ist das Fass übergelaufen, als man noch an unsere Urheberrechte ranwollte.

Mit dieser negativen Erfahrung im Kreuz werdet ihr in Zukunft anstehende Verträge wohl vorher besser prüfen? Ihr seid dabei ein wirklich warnendes Beispiel für alle junge Bands und Interpreten!

Auf alle Fälle! Ich finde auch, dass man das wirklich an die große Glocke hängen muss. Man darf da nicht so blauäugig sein, denn niemand macht etwas nur aus Nächstenliebe. Man darf sich nie unter Druck setzen lassen und sollte lieber das Geld für einen Anwalt zusammenkratzen. In unserem Fall sind quasi die kompletten Einnahmen aus dem vergangenen Jahr aufgrund der komplizierten Verträge einfach weg.

Es müsste für junge Musiker eigentlich eine Anlaufstelle geben, wo man sich mal beraten lassen kann. Man muss aber auch sehen, dass nicht die ganze Branche so ist, aber es gibt halt schwarze Schafe. Universal z.B. hat uns immer toll unterstützt und beraten, weil die ganz früh merkten, dass da etwas schiefläuft.

Du hast erzählt, man wollte die Band ein wenig umpolen. Wie sah das aus?

Man wollte z.B. David und mich so auf „feminin“ trimmen, alles mit dem Hinweis, die Plattenfirma wolle das so. Genau das stimmte aber nicht. Man hat immer versucht, die Band von den Kontaktpersonen bei der Plattenfirma fernzuhalten. Die haben der Plattenfirma auch eine Menge Lügen erzählt: Man hätte uns gecastet, wir könnte eigentlich unsere Instrument nicht spielen und so ein Mist.

Beim ersten Meeting saßen die Produzenten mit den Leuten von universal in einem separaten Raum, die wollten uns noch nicht mal zum Essen mitnehmen.

Ihr habt euch aber nicht verbiegen lassen …

Nein, das haben sie nicht geschafft. Was jedoch passierte, ist, dass die Produzenten beim Mixdown den Charakter unserer ersten Scheibe komplett gegen unseren Willen verändert haben. Wir wollten das eigentlich viel rockiger haben, aber es wurde alles glattgebügelt. Die Gitarren sollten eigentlich viel mehr im Vordergrund stehen.

Franky Ziegler

Resultierte die Umbenennung daraus, dass ihr aus den Verträgen raus wolltet, oder hatten die Produzenten gar die Rechte daran?

Das war noch so eine böswillige Aktion. Die Namensrechte liegen tatsächlich bei den Produzenten. Die haben sich zur rechten Zeit den Namen schützen lassen, sodass wir ihn nicht mehr nutzen dürfen. Man könnte zwar eine Löschungsklage anstreben, aber das kann dauern. Auch daraus sollte man lernen und sich seinen Bandnamen rechtzeitig schützen lassen.

Ist die Sache jetzt ausgestanden?

Nein, wir befinden uns mitten im Rechtsstreit; das alte Management klagt zusätzlich noch gegen das neue usw.

Daran kann eine Band auch zerbrechen. Gab es Zeiten, wo ihr ans Aufhören gedacht habt?

Manche von uns waren schon so weit zu sagen: „Wir wollen nicht mehr.“ Aber wir haben uns dann zusammengesetzt und beschlossen weiterzumachen. Man hat dabei natürlich auch immer die Angst im Nacken, dass irgendwann die Plattenfirma nicht mehr will, weil das alles zu kompliziert und ungewiss geworden ist.

Kommen wir zum Positiven. Ihr sitzt an einem neuen Album?

Ja, das wird von David produziert, und wir machen alles alleine. Nach der üblen Erfahrung geht das nicht anders. Wir kriegen das ganz gut hin, es dauert vielleicht etwas länger, aber wir gehen unseren Weg.

Ende April, Anfang Mai soll die Scheibe rauskommen. Im Mai gehen wir auch wieder auf Tour.

Ändert sich musikalisch was?

Wir wollen kein Genre mehr bedienen und in keine Schublade passen. Wir wollen einfach gute Musik machen. Wir machen alles krasser und intensiver, mehr HipHop, mehr Klassik und mehr Rock. Es wird auch eine ziemlich gemischte Platte, die sehr abwechslungsreich sein wird.

Da wünschen wir euch viel Glück und: Keine PANIK!

Text: Gerald Dellmann, Fotos: Universal Music