• Goodbye ROLAND!!

    Habt Ihr schon gehört, was bei ROLAND los ist?? Stand heute (2.8.) im Abendblatt:

    Norderstedt. Die Musik ist aus in Norderstedt. Jedenfalls für 39 Angestellte des Unternehmens Roland, Instrumenten-Bauer und -Vertrieb für Deutschland und Österreich an der Oststraße 96. Roland, nach eigenen Angaben weltweit Marktführer für elektronische und digitale Musikinstrumente, schließt am 31. August komplett und zieht nach Nauheim bei Frankfurt/Main. Nur einer der Mitarbeiter würde seiner Firma folgen, sagt der Betriebsrat. Er hat seinen Lebensmittelpunkt ohnehin im Rhein-Main-Gebiet. Alle anderen 39 Kolleginnen und Kollegen haben ihren Lebensmittelpunkt mit Familie in Norderstedt und Umgebung. Sie stehen ab 1. September auf der Straße. Ihnen droht Hartz IV.
    "Hier werden 39 Arbeitsplätze vernichtet, nur die Geschäftsleitung und der Außendienst mit ohnehin flexiblen Arbeitsplätzen ziehen nach Hessen", sagt Thomas Jobmann. Der Betriebsratsvorsitzende ist studierter Musiker und Musikinstrumentenbauer und arbeitet seit 28 Jahren bei Roland. Ein Spezialist. Wie viele seiner Kollegen. Die Firma Roland aber wirbt in einer Pressemitteilung damit, dass 50 Arbeitsplätze neu geschaffen werden. In Nauheim.
    "Wir verstehen nicht, dass unsere Firma auf die vielen Spezialisten hier in Norderstedt einfach verzichtet", sagt Jobmann. Doch der Flurfunk habe bereits vor einem halben Jahr gemeldet, dass der neue Geschäftsführer Markus Sailer gesagt, die Firma sei überaltert.
    Sailer steht seit 1. Mai 2011 an der Spitze des Unternehmens. "Alles Blödsinn", weist Sailer die Aussagen des Betriebsrats zurück. Er habe nie von Überalterung gesprochen. Außerdem würden 15 Mitarbeiter, nämlich die Geschäftsleitung und der Außendienst, mit nach Nauheim umziehen. Weitere Mitarbeiter könnten sich noch entscheiden, die Job-Angebote würden alle Nachteile kompensieren. Der Umzug sei von der Roland-Corporation in Japan als notwendig erachtet worden, weil sich die Branche um Frankfurt/Main herum konzentrieren würde. Das Zentrallager würde in Rotterdam entstehen.
    "Er ist ein typischer Firmen-Abwickler und wurde dafür wohl auch von der japanischen Zentrale bei uns eingesetzt", sagt Jobmann. Der 55-Jährige hat vorgestern seine Kündigung erhalten, einige Kolleginnen und Kollegen schon früher. Sie alle sind tief enttäuscht, denn sie haben sich, meist über zwei Jahrzehnte, mit "ihrer" Firma identifiziert und waren ein eingeschworenes Team vom Produkt-Manager über die Buchhalterin bis zum Lagerarbeiter. Da Roland sich den Markt mit nur einem Mitbewerber teilt, gibt es für die spezialisierten Mitarbeiter kaum Aussicht auf einen neuen Arbeitsplatz.
    "Beim Arbeitsamt habe ich nur ein Schulterzucken geerntet", sagt Elektronik-Spezialist Jobmann. Er bezieht sein Gehalt bis 31. März 2013.
    Die 39 Roland-Mitarbeiter erhalten die üblichen Abfindungen, anschließend dann für ein bis zwei Jahre, je nach Alter und Familie, Arbeitslosengeld zwischen 60 und 67 Prozent vom letzten Gehalt. "Ein Sozialplan wurde unter Vorsitz eines Arbeitsrichters erstellt", sagt Jobmann.
    "Ich bin 62 Jahre und habe keine Aussicht auf einen neuen Arbeitsplatz", sagt Ilona Schumann, Assistentin der Verkaufs- und Vertriebsleitung und seit 25 Jahren bei Roland. Auch sie bezieht ihr Gehalt bis 31. März. "Ich habe noch Glück, meine jüngeren Kolleginnen sehen düster in die Zukunft", sagt Schumann. Sie lebt mit ihrer Familie in Henstedt-Ulzburg. Doch auch Roland war für sie ein Stück Familie. "Wir fühlen uns von der Geschäftsleitung verraten", sagt Schumann. Gute Teams seien auseinander gerissen worden, das gute Betriebsklima sei gestört worden. "Dahinter steckt ein Programm", vermutet Schumann.
    Seit 18 Jahren arbeitet Fabian Olk als Produktspezialist und -berater bei Roland. Seine Kündigung hat der 42-Jährige bereits erhalten. Ab 1.Oktober ist er freigestellt, Ende Januar 2013 endet sein Arbeitsvertrag. Dann droht erst das Arbeitslosengeld, dann Hartz IV. "Die Firma verschenkt unser Wissen. Ich habe keinen Plan für die Zukunft, vielleicht mache ich etwas ganz anderes", sagt Olk. Er ist schockiert wie seine Kollegen. "Ich habe kein Vertrauen mehr zu dieser Firma", sagt Olk traurig.

     

    Ich finde, das ist echt der Hammer. Was sagt Ihr dazu?

    • #1
    • 03.08.2012 04:59

    Moin,

    ich würde sagen, die typische Restrukturierung eines Unternehmens, wie sie heute vielfach durchgezogen wird.

    Schlimm für die Mitarbeiter, typisch für unsere Geschäftswelt.

    Advocaster

    • #2 Antwort auf #1
    • 03.08.2012 08:02

    Ich befürchte, das ist der Lauf der Welt. Und die wird von Geld regiert, und nicht von Menschlichkeit. Und von Menschen, die nur noch in Projekten und Kalkulations-Ergebnissen denken. Ich finde es immer frappierend, dass solche Firmen nur daran denken, Geld einzusparen, aber nicht, mehr Geld einzunehmen. Solche Firmen-Sanierer haben doch einen recht einfachen Job...

    • #3
    • 06.08.2012 09:58

    Richtig fies ist es aber, dass sich der Typ als großer Arbeitsplatzschaffer abfeiern läßt:

    "Durch den Umzug entstehen bis zu 40 neue Arbeitsplätze."

    (siehe http://goo.gl/5pJBO )

    Erst Unternehmen kaputtmachen und sich dann feiern lassen. Ganz toll!

    • #4 Antwort auf #3
    • 06.08.2012 17:31

    Natürlich ist das für die Arbeitnehmer, die nicht umziehen wollen oder können und den Arbeitsplatz gerne beibehalten würden, bitter. Aber das Unternehmen denkt eben global und längerfristig. Und es sieht danach aus, dass das Unternehmen keine Schwierigkeiten haben wird für den neuen Standort neue Mitarbeiter zu finden.

    • #5
    • 07.08.2012 08:49

    Das Problem ist bloß, dass es keine reellen Gründe für den Umzug gibt. Abgesehen vom persönlichen interesse des neuen Chefs, die neue Niederlassung in seiner Heimat aufzubauen; nur ein paar Meter von seinem alten Arbeitgeber entfernt.

    Ferner kann man so Mitarbeiter mit unbefreisteten Festverträgen los werden und gegen billige befristete Mitarbeiter austauschen.

    Roland ging es ja nicht schlecht in Norderstedt. Und eine Europazentrale, was die neue Firma ja wohl auch werden soll, wäre im Norden auch sehr gut aufgehoben!!

    • #6 Antwort auf #5
    • 07.08.2012 14:00

    In dem Artikel wurden ja logistische Vorteile des neuen Standorts erklärt. Vielleicht gibt es im Norden nicht so viele Akkordeon-Spieler. Scheint aktuell der Renner bei Roland zu sein. Im Übrigen: Im Artikel wird Roland als "Weltmarktführer für elektronische Musikinstrumente" bezeichnet. Wie kommen sie darauf bzw. woran wird das gemessen? Verkaufen tut Yamaha bestimmt mehr elektronische Musikinstrumente als Roland.

    • #7 Antwort auf #6
    • 07.08.2012 18:34

    "Weltmarktführer" lese ich so oft, in vielen Branchen. Ich glaube, da gibt es keinen Schutz drauf, kann jeder von sich behaupten.

    Muss ja nicht die Stückzahl, kann ja auch Technologie, Patente von 1973-74, schönste Farbe des Teils xy oder sonstwas sein.

    Wir haben einfach nicht den kompetenten bzw. kompletten Einblick in die Entscheidungsfindung und die Finanzen, deshalb ist es von aussen her immer schwierig das zu bewerten.

    Verschwörungstheorien sind unangebracht und helfen auch nicht weiter. Globalisierung und Marktkonzentration lassen sich auch nicht aufhalten, aber beobachten können wir das schon....

    Tragisch für die "alten" Mitarbeiter, aber es werden ja auch neue gebraucht. Hoffentlich zu vernünftigen Konditionen.

    Gruß

    Alten

    • #8 Antwort auf #7
    • 07.08.2012 18:49

    Zu 1: Danke.

    Zu 2: So sehe ich das auch.

    • #9
    • 22.08.2012 13:55

    Seitdem die "Firmen-Optimierer" bis in die kleinsten Firmen Einzug gehalten haben (ich nenne diese Typen nur noch "Exel-Tabellen-Ausfüller": das kann jeder Depp und sich danach hinstellen und auf die Bereiche zeigen, wo "gespart" werden kann... für diese "Leistung" brauch man kein Studium, das ist 1.Lehrjahr eines kaufmännischen Berufes !) ist dieses Verhalten an der Tagesordnung.

    Aber das Ziel ist erreicht: man kann eine Horde von Zeitarbeitern mit befristeten Verträgen anheuern (finanziell gewinnen dort neben dem Vorstand vor allem die Zeitarbeits-Firmen !) und diese quartalsmäßig entlassen und wieder einstellen.

    Das man dadurch definitiv keine Kompetenz, Identifikation mit dem Betrieb erreicht, was sich in der Beratung und dem Umsatz wiederspiegelt, das scheinen diese Typen nicht zu

    begreifen - aber da hilft halt auch keine Exel-Tabelle...!

    • #10 Antwort auf #9
    • 22.08.2012 14:18

    Zitat von Mintage:

    "

    für diese "Leistung" brauch man kein Studium, das ist 1. Lehrjahr eines kaufmännischen Berufes!

    "

    Und im wievielten Lehrjahr lernt man wie das Wort "Excel" geschrieben wird?...