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Lieber Herr Eifel,
Was Sie da im "Retro" (aktuelle G&B, ganz am Schluss) geschrieben haben, ging mir dann doch auf die Nerven. Die G&B ist in erster Linie mal Werbung, soviel ist klar. Von Fachkundigen Leuten verfasst und auf hohem Niveau, aber eben doch: Werbung.
---"Dann gehen wir in die Tiefe, berichten über Hintergründe und liefern exklusive, fundierte Fachinformationen."---
Das tut Ihr ja wohl eher nicht. Sonst wäre euch nämlich die Aktion der Cort- Mitarbeiter bei der Messe 2009 in Frankfurt (Youtube "Cort--The Ugly Truth" ) wenigstens ein paar Zeilen wert gewesen oder Ihr hättet schon mal einen Insiderbericht über Warwick --und dazu muss man nicht nach China reisen-- gebracht. Das sind jetzt nur zwei Beispiele.
Nun, ich habe kein Problem damit, wenn Ihr solche Themen eher meidet. Man beisst ja nicht die Hände, die einem füttern, werbeetatmässig. Kann ich verstehen.
Man könnte solche Statements wie das weiter oben zitierte in Anbetracht der Umstände zynisch nennen, aber Ihr scheint das wirklich selber zu glauben. Oder meint Ihr mit "fundierte Fachinformationen" und "Hintergründe" wirklich nur Equipment und ich hab' was falsch verstanden?
Gruss, 2Bias -
Moin,
wenn es Werbung wäre, müsste über jedem Artikel "Anzeige" stehen.
Dem ist aber nicht so.
Dass sich solche Special Interest Zeitschriften auf den reinen Gegenstand (hier: Musik, Instrumente) beziehen, ist normal und üblich.
Ich hätte mir auch gewünscht, G&B hätte mal was Zu den von Dir angeführten Themen gesagt - aber daraus schließen zu wollen, dass der redaktionelle Teil des G&B aus Werbung bestünde, ist imho nicht gerecht.
Vor einiger Zeit hatten wir die Arbeitsumstände bei Warwick hier thematisiert, ich habe die Antwort von Hernn Wilfer auf meine Anfrage zu diesem Thema hier gepostet.
G&B ist kein investigatives Journal, es bestehen überhaupt nicht die Mittel, solche Umstände hieb- und stichfest zu recherchieren und zu präsentieren.
Auch wenn wir alle meinen zu wissen, wie es bei Warwick zugeht - solange da nicht jemand klagt und es ein entsprechendes Urteil gibt, ist es sehr schwer, die Wahrheit ans Licht zu bringen.
Dass sich G&B von solchen Firmen über die geschalteten Anzeigen abhängig macht, halte ich für unrealistisch. Warwick braucht das G&B - wenn sie keine Anzeigen schalten würden, hätten sie keinerlei Forum mehr für ihre Produkte in Deutschland.
Nochmals: das, was wir bisher als vermeintliche Wahrheit über die Arbeitsumstände bei Warwick gehört haben, finde ich auch unwürdig - aber hier die Wahrheit aufzudecken, übersteigt die Möglichkeiten eines Special Interest Magazins.
Zudem man dann auch die Hintergründe bei allen anderen Firmen aufdecken müsste:
Praktisch bei allen Herstellern z. B. aus China herrschen unwürdige Umstände: keine Arbeitnehmerrechte, miese Bezahlung, teilweise gesundheitsschädliche Arbeitsbedingungen.
(oder bei Fender Mexico - glaubt einer, dass es da besser ausieht? Selbst die Umstände bei Fender/Gibson/PRS USA werden nach unseren Maßstäben grottig sein)
Diese Erkenntnisse müsste man dann bei jedem Test mit hinzufügen.
Und weißt Du was: die meisten von uns würden den Chinascheiß trotzdem kaufen, weil uns a) nix anderes übrig bleibt, fast alles kommt nur noch aus China und b) uns das doch egal ist, wir kaufen, was wir brauchen und uns leisten können.
"ich brauch nen Zerrer, Boutiquekram aus GER oder USA ist mir zu teuer: also kaufe ich was aus China, scheiß auf die Malocher". Das ist die Realität, wenn wir mal ehrlich sind.
Ich finde, da sollte man sich an die eigene Nase fassen, und mal betrachten, was man zuhause so alles an Produkten aus China hat (sonst ergo: nackt rumlaufen) - bevor man von anderen den gedruckten Arbeitnehmerkampf einfordert.
Die Cort und Warwick-Stories sind bei Magazinen wie Stern, Spiegel usw. abgefrühstückt worden, sowas lesen wir doch auch.
Viele Grüße
Andreas
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ich gebe Dir recht, was die Komplexität von Firmenphilosphien und Arbeitsbedingungen angeht, da ist das Thema vielleicht doch etwas zu komplex und aufwendig.
Etwas dürftig finde ich allerdings in einem Magazin, das sich zu 2/3 nur mit Equipment, also v.a. Gitarren beschäftigt, dass doch recht wenig Worte über das MATERIAL und wo es herkommt und unter welchen Bedingungen es geerntet wird, verloren wird. Ich spreche von HOLZ. Meines Wissens nach wurde kein Wort darüber verloren, dass z.B. Gibson in den USA wohl erstmalig weltweit als Konzern verklagt wird, weil sei llegales Palisander aus Madagaskar (ich gehe davon aus, wissentlich) eingeführt haben und dies wohl auch weiter tun. So wie wahrscheinlich 80% aller größeren Instrumentenfirmen (100%?). Mir ist die letzten Jahre nur ein einziger Artikel über FSC-zertifiziertes Holz geläufig.
Und ich sehe es durchaus als eine zentrale Aufgabe eines Gitarrenmagazines an, seine Leser immer wieder für diese Thematik zu sensibilisieren. Sonst ändert sich ja am Markt bei der Holzauswahl wenig. Mit Jubelarien über ausgestorbenes Riopalisander wird das so aber nichts.
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Moin,
ja - das wäre imho ein lohnenswertes Thema - zumal man dies aufziehen könnte, ohne spezielle Firmennamen zu nennen.
Also eine Sensibilisierung des Lesers / Käufers hinsichtlich dieses Themas.
Allerdings muss muss man auch hier wieder sagen:
die Wege eines Materials sind nunmal oft verschlungen, da genau feststellen zu können, wo das Material XY nun gerade herkommt - da kann man erstmal 2 bis 3 Detektive rund um den Globus schicken, die selbst den Weg zurückverfolgen, bevor man etwas hieb- und stichfestes hat.
Gibson mag verklagt worden sein, aber gibts da schon ein Urteil?
Selbst die Erwähnung einer Klage gegen eine Firma (die sich evtl. als Nebbich herausstellen kann) könnte schon rufschädigend wirken - siehe Fall Kachelmann.
Übrigens hat G&B aber schon über sozial geprägte Gitarrenprojekte berichtet und auch Instrumente getestet: da gibt es doch diesen deutschen Hersteller / Gitarristen, der in Afrika Gitarren bauen lässt, mit fair bezahlten Löhnen usw.
Die Gitarren gefallen mir überhaupt nicht, werden sich wahrscheinlich auch nicht auf breiter Front durchsetzen, nur wäre hier eigentlich auch kritische Hinterfragung nötig, wie ich finde.
Ich befürchte, wir alle (als Kinder einer satten, mitunter selbstgefälligen Industriegesellschaft) werfen ja oft geradezu reflexartig ein extrem kritisches Auge auf die "Großen" - und bei den vermeintlich Kleinen, Alternativen wird dafür ebenso reflexartig moralisch einwandfreies Verhalten vorausgesetzt.
Am Beispiel dieser afrikanischen Gitarren:
da wird gesagt, der Hersteller würde seinen afrikanischen Mitarbeitern dort unübliche weil faire Löhne bezahlen.
Nun gut, aber was ist fair, was wird da wirklich bezahlt?
Fair gemessen an den dortigen sonstigen Löhnen (die vergleichsweise gegen Null tendieren), oder fair nach unseren Maßstäben?
Die werden sicherlich nicht mal annähernd den Lohn bekommen, die ein (angeblich) schlecht bezahlter Arbeiter bei Warwick bekommt.
Denn falls doch, wären das da die Könige.
Und die Gitarren sind für das Gebotene nicht unbedingt teuer - also ist das alles real oder nur ein Marketinggag, um sich ne goldene Nase zu verdienen?
Wir wissen es nicht, wir können es nicht überprüfen, G&B kann es auch nicht überprüfen, selbst wenn sie ein Team nach Afrika schickten, denn in die Bücher / Bilanzen werden sie sicherlich nicht gucken dürfen.
Auch hier ist also eine objektive Berichterstattung nicht möglich - und es kratzt uns nicht, denn wir sind nicht auf die Kleinen fokussiert, sondern auf die Großen.
Ich finde das insgesamt schon ok, wie G&B das macht, es ist eben kein investigatives Magazin, sondern eine Präsentationsform für neue Produkte und nette Musikgeschichten.
Mehr nicht, aber auch nicht weniger.
Viele GRüße
Andreas
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Das Thema Warwick tauchte doch (zwar schön versteckt aber immerhin) in einem Interview in der letzten oder vorletzten Ausgabe auf.
Und klar, die G&B ist kein investigatives Nachrichtenmagazin (im Spiegel steht ja auch nicht ob Herr Sarrazin lieber Humbucker oder Singlecoils mag), aber Ihren besten Kunden verärgern werden sie sicherlich auch nicht, das wäre ja nicht zuletz den eigenen Mitarbeitern gegenüber falsch.

