• Schalldämmung für e-Drums

    Hallo!
    ich wollte kurz eine Idee vorstellen, wie man als e-drummer wirksam die nerven seiner nachbarn schont. Das Problem ist, dass zwar der Raumschall eines e-drumsets durch die gummiflächen und meshheads stark reduziert wird, aber das set viel Trittschall abgibt. Der Nachbar bekommt die geballte Ladung Trittschall in die Decke geleitet. Dieses Phänomen ist übrigens bei e-drums wesentlich dramatischer als bei einem akkustischen set. Dies ist darin begründet, dass die eine akkustisches becken ja eben genau so konstruiert ist, dass sie die energie möglichst als Raumschall verbreitet, während die Gummipads der e-drums diesen möglichst absorbieren sollen. Da die Energie aber irgendwohin abgegeben werden muss (schliesslich werden die pads beim spielen ja nicht warm oder strahlen radioaktiv), wird die Schwingung über den Ständer in den Boden geleitet.
    Ich habe mich lange mit dem Thema beschäftigt, bevor ich eine Lösung gebaut habe, um mir Mühe, Zeit und Frust zu sparen. Das Ergebnis möchte ich gerne mit euch teilen. Das Problem liegt einfach darin, dass der Trittschall irgendwie abgefangen werden muss. Professionelle Trittschalldämmung funktioniert über sogenannten Estrich, der aus einer großen Betonplatte besteht, die meist auf Styropor oder gelagert ist. Die Funktion ist einfach: Die Betonplatte ist schwer genug, um die Energie aufzunehmen, und durch die Lagerung kann die Betonplatte gewissermaßen frei schwingen.
    Ich nun dieses Prinzip in Form eines Podests nachgebauen. Dazu habe ich 19mm starke Pressspanplatten mit Nut und Feder auf der Fläche des Podests verlegt und mit Metallplatten an den Verbindungen verschraubt. Die Platten kann man auf einen Teppichboden liegen, um eventuell das darunterliegende Parkett zu schonen. Um sich beim Abbau Ärger zu ersparen, liegt bei mir die flauschige Seite auf dem Parkett, die Gummiseite hinterlässt nach einiger Zeit häßliche Flecke.  Bei mir ist das ganze Podest auf einer Fläche von 200x175 cm aufgebaut - was sehr geräumig ist. Eine kleiner Fläche als 150x150 cm würde ich aber nicht empfehlen, damit ihr genug Platz zum Sitzen habt und das Set eventuell erweitern könnt.
    Auf diese Platten habe ich mit Metallwinkeln einen Rahmen aus Kanthölzern (Profil 10x4cm) angebracht. Die ganze Konstruktion sieht nun aus, wie eine oben offene flache Kiste. Nun habe ich die Kiste mit Plastikfolie ausgekleidet, und zwar so, dass ich an den seiten genug Plastikfolie übrig habem um diese auf der gesamten Breite / Länge umzuschlagen.
    Auf die Folie kommt nun eine Schicht Glaswolle, um die die überstehende Folie Teil gewicket wird. Beim Verarbeiten der Glaswolle sollte man Hanschuhe und Mundschutz tragen - das Zeug ist heute zwar nicht mehr krebserregend, aber der Kontakt mit der Haut ist sehr unangenehm. Die Plastikfolie soll verhindern, dass der Staub in der Glaswolle möglichst innerhalb der Konstruktion bleibt.
    Nun habe ich 5cm dicke Gehwegplatten aus Waschbeton über die Konstruktion gelegt. Dabei muss man darauf achten, dass es möglichst keinen direkten Kontakt zur Holzkonstruktion gibt, um Schallbrücken zu vermeiden. Wer möchte, kann darüber noch Spanplatten verlegen und verschrauben, wobei wieder auf das Vermeiden von Schallbrücken zu achten ist - der Pressspan sollte also nur auf den Platten aufliegen und mit dem Rahmen nicht in Verbindung stehen.
    Damit das ganze schön aussieht, kommt wird das ganze noch mit Teppichfussboden überzogen - in vielen Baumärkten gibt es recht günstig Reststücke in passenden Größen. Leider kann man hier keine Bilder einstellen - ich habe ein paar Photos von den Bauabschnitten, die ich gerne auf Anfrage per Mail zur Verfügung stellen kann.
    Ich habe meinen Nachbarn gebeten, einmal "Probezuhören" - und er sagt, dass das geklapper nun kaum noch hörbar ist. Natürlich sollte man trotzdem nicht mitten in der Nacht spielen - aber ich fühle mich nun nicht mehr als schlechter Mensch, wenn ich abends mal 2-3 Stunden übe.
    Das ganze hat mich etwa 100 Euro und einen Tag Arbeit gekostet. Zwei Dinge sollte man allerdings beachten: Die Tragfähigkeit des Bodens bei Flächenlasten sollte vorher geprüft werden - insbesondere bei Mietverträgen würde ich das vorher mit dem Eigentümer besprechen. Weiterhin sollte man beim Transport der Platten im Auto oder Aufzug das Gewicht beachten . Bei meiner Größe wiegen alleine die Platten knapp 450kg - ein Passat hat z.B. eine zulässige Nutzlast von 560kg.

    • #1
    • 02.03.2011 06:31

    Sehr gute Idee von dir aber ginge das nicht einfacher mit Waschmaschinenisolierplatten ausm Baumarkt?

    icon_wink

    (Nur eine Frage. Bitte versteh mich nicht falsch. Ich will deinen Beitrag nicht ins Lächerliche ziehen)

    • #2
    • 06.03.2011 09:51

    Hi,

    hört sich nach einem guten Plan an. Sicherlich ziemlich aufwändig, aber was tut man nicht alles, um Stress mit Nachbarn (oder Mitbewohnern) zu minimieren.....

     

    @g.ohm: Waschmaschinenplatten aus dem Baumarkt sind nicht zu empfehlen, da sich aus Gummiresten bestehen, die fürchterlich ausdünsten. Alleine der Transport im Kofferraum hat für einen Gestank über mehrere Tage gesorgt, von der Geruchsbelästigung zu Hause mal ganz zu schweigen. Geht also gar nicht!!!

     

    Dann schon lieber für ein paar Dollar mehr eine vernünftige Konstruktion.

     

    Gruß,

    philz

    • #3 Antwort auf #2
    • 06.03.2011 13:56

    Zitat von philz:

    "

    Hi,

    .....

    @g.ohm: Waschmaschinenplatten aus dem Baumarkt sind nicht zu empfehlen, da sich aus Gummiresten bestehen, die fürchterlich ausdünsten.

    Gruß,

    philz

    "

    Verliert sich das nicht (den Gestank meine ich)?

    • #4 Antwort auf #3
    • 06.03.2011 14:00

    Man kann die Gummimatte immer noch in eine Folie umwickeln...

    • #5
    • 06.03.2011 17:47

    Hi,

    ich denke alles ist eine Frage, was man erreichen möchte. Gummimatten sind sicher besser als das Set einfach auf den Boden zu stellen. Wer allerdings Nachbarn unter sich wohnen hat, sollte vielleicht doch die Waffengattung darüber in Betracht ziehen

    • #6 Antwort auf #5
    • 07.03.2011 23:41

    dreh halt deinen Kopfhörer leiser...

    icon_wink

    • #7 Antwort auf #6
    • 08.03.2011 08:31

    Würde dann nicht das Klopfen die schönen Drum-Sounds übertönen?...

    • #8 Antwort auf #7
    • 08.03.2011 09:02

    eher ein Selbstgespäch. Meine Frau kam grad rein und hat gemeckert

    • #9 Antwort auf #8
    • 08.03.2011 09:07

    Dass du über deine Probleme mit der falschen Person sprichst?...

    • #10
    • 14.08.2011 23:57

    Ja das ist schon eine ziemlich ausgefeilte Idee zur Schalldämmung.

     

    Ich habe es mir etwas einfacher gemacht, in dem ich einfach einen günstigen Teppich (-Rest) auf meinem normalen Wohnzimmerteppich gelegt habe, darauf eine ca. 5 cm dicke Schaumstoffplatte (bzw. auch Reste), dann eine ca 1,8 cm starke Holzplatte (damit das Set einen festen Halt hat) und letzt endlich noch einen Teppich damit nichts rutscht.

    Schalldämmung1

     

    Außerdem habe ich das ganze dann noch mit mehreren langen Schrauben im Estrich (Fußboden) festgeschraubt, damit auch alles fest und stabil steht.

    Schalldämmung2

     

    Meine Nachbarn sind mir seit dem übrigens sehr dankbar!