Es war die erste LP nach dem Split der Human League Mk 1. Der bis dato kreative Kopf der Band Martyn Ware entschloss sich, mit dem musikalischen Weggefährten Ian Craig Marsh die Produktionsfirma B.E.F zu gründen und mit Glenn Gregory als Sänger begann die Heaven 17 Ära.
Zurück blieben der Sänger und Texter Phil Oakey und der Mann für die "visuelle Umsetzung" der Songs Philip Adran Wright.
Was sie schufen, war mithilfe weiterer Musiker und in der Diskothek aufgetriebenen (Nicht-)Sängerinnen und dem Produzenten Martin Rushent ein zeitloses Plastikpopalbum, "Plastik" in diesem Sinne mal positiv gemeint. Denn es wurden recht billige japanische Synths und Drumcomputer verwendet, nichts war wirklich kunstvoll oder künstlich aufgeblasen an den Songs dieser LP, auf denen sich einige Chartstürmer und ein Welthit befinden. Keine Note zuviel, keine Schnörkel.
Niemals wieder sollten sich Kunst und Kommerz auf solche Weise miteinander verbinden. Intelligente Texte (z.B. "Seconds", eine Momentaufnahme des J.F. Kennedy Mordes) verschmolzen mit tanzbaren Electrorhythmen, Synthlines trugen den eleganten Bariton von Phil Oakey in neue Sphären.
Mit "Don't you want me" ist ein Welthit auf der LP vertreten, der das Scheitern einer Beziehung gekonnt in Szene setzt. Das Video, als Film im Film inszeniert, setzte in der beginnenden MTV Ära Maßstäbe.
Die britische Welle, die die Welt erobern sollte mit Bands wie Depeche Mode, Yazoo, Erasure, Pet Shop Boys usw. wurde mit diesem Album eingeläutet. Es stellt den Übergang, das Bindeglied dar, vom minimalistischen Elektroansatz der Spätsiebziger zum hochgezüchteten Pop der Mittachtziger.
Natürlich hatten die ersten beiden Alben von Human League "Travelogue" und" Reproduction" eine stärkere schöpferische Tiefensdimension und waren dem Kunstbegriff näher, aber nachhaltiger auf die Musikszene wirkte doch "Dare".
Dieses Album wird viele junge Leute erst einmal angeregt haben, es auch mit billigsten Mitteln einfach zu versuchen, draufloszuspielen. Dieses Album vermittelt, vermutlich wie kein zweites aus dem New Romantic-, Electropopgenre, dass für jeden 15 Minuten, frei nach Warhol, drin sind, in denen man berühmt sein kann.
Muss man hören.
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